
Ein spannender Abenteuerroman über eine verschwundene Karawane, eine Karte aus Licht und ein Versprechen aus Glas
Deutsch Band 2 der Reihe »Die Meridian-Abenteuer« von Andreas Reis.
Die Insel liegt hinter ihr. Die Fragen nicht.
In dem Brief, den ihr verschwundener Vater ihr hinterließ, findet die fünfzehnjährige Mara Seidel eine geschliffene Glasmarke — und drei Worte in seiner Schrift: Glaspass. Osten. Wenn der Wind schweigt.
In den Heften von Nilas Großmutter taucht dasselbe Zeichen wieder auf, neben Briefen, die vor sechzig Jahren aus Samarkand kamen. Und darunter eine Zeile, die klingt, als hätte jemand auf Mara gewartet: Für die, die mit dem Glas kommt.
Gemeinsam mit Tom und Nila reist Mara in eine Stadt aus Staub, blauen Kuppeln und Spiegeln — wo ein alter Glasschleifer mehr prüft als ihre Marke, ein höflicher Fremder altes Glas aufkauft und eine falsche Frage jede Tür schließen kann.
Denn manche Karten bestehen nicht aus Papier. Und manche Erbschaften sucht man nicht — man wird von ihnen gefunden.
Das komplette erste Kapitel, ungekürzt vorgelesen (18:00 Minuten). Die Aufnahme nutzt eine synthetische Stimme.
Das erste Kapitel in voller Länge (2438 Wörter) - kostenlos lesen, ohne Anmeldung.
%% PART: Akt Eins — Die Glasmarke # Die Marke
Das Herbstlicht kam jetzt jeden Morgen eine Minute später.
Mara wusste das, weil sie es maß.
Nicht mit der Uhr. Mit der Wand.
Wenn die Sonne über das Nachbardach stieg, fiel ihr Licht durch das Dachfenster auf den Schreibtisch, traf die Glasmarke und warf einen kleinen, grünlichen Fleck an die Zimmerwand. Der Fleck war unscharf an den Rändern und heller in der Mitte, und wenn man genau hinsah, schwammen winzige Schlieren darin, wie Atem auf einer kalten Scheibe.
Neun Tage nach dem Sturm wanderte der Fleck bereits eine Handbreit tiefer als am ersten Morgen.
Mara saß auf ihrem Stuhl, das Kinn auf den Armen, und sah ihm zu.
Sie hatte die Marke vermessen. Gewogen, mit der Küchenwaage, dreimal. Gezeichnet, von beiden Seiten. Fotografiert, bei Tageslicht, bei Lampenlicht, mit Blitz und ohne. Sie hatte das Zeichen so oft nachgezeichnet, dass ihre Hand es inzwischen konnte, ohne dass sie hinsah: zwei schmale Linien, die sich nicht berührten. Dazwischen ein kleiner Bogen. Darunter drei Punkte, nicht in einer Reihe. Einer stand tiefer.
Als sei er unterwegs.
Früher hätte sie das alles heimlich getan.
Früher war vor der Insel gewesen.
Jetzt lag neben der Marke ein aufgeschlagenes Heft, und auf der ersten Seite stand in ihrer eigenen Schrift eine Liste. Was wir wissen. Was wir glauben. Was wir nur hoffen. Drei Spalten. Toms Idee war die vierte Spalte gewesen, ganz rechts, schmal: Was Tom für möglich hält, aber niemand hören will.
Die Spalte war die vollste.
Unten schlug die Haustür.
»Ich bin's!«, rief Tom durchs Treppenhaus, was überflüssig war, denn niemand sonst klingelte dreimal kurz und einmal lang. »Und ich habe Licht dabei!«
»Schuhe«, sagte Elins Stimme aus der Küche.
»Bin schon barfuß wie ein Museumsboden.«
Seine Schritte polterten die Treppe hoch, zwei Stufen auf einmal, dann stand er in der Tür, in jeder Hand eine Tasche und unter dem Arm eine Lampe, die aussah wie eine Schreibtischlampe nach einem Unfall mit einem Stativ.
»Schräglicht«, sagte er feierlich. »Aus der Werkstatt von Onkel Bernd. Damit findet er Dellen in Autotüren, die man mit der Hand nicht spürt. Wenn deine Marke Geheimnisse hat, dann hat sie ab heute ein Problem.«
Mara rückte zur Seite und räumte das Heft vom Tisch.
Es war ihr Zimmer geblieben. Die schiefen Seekarten hingen noch. Aber der Schreibtisch gehörte seit neun Tagen nicht mehr ihr allein. Er gehörte der Sache.
Tom baute auf. Lampe, Verlängerungskabel, eine Lupe mit Riss im Griff, sein Handy mit der gesprungenen Ecke, das er »halb funktionierend« nannte und gegen jede Vernunft am Leben hielt. Zuletzt zog er Handschuhe an. Weiße, dünne, viel zu große.
»Ernsthaft?«, fragte Mara.
»Beweismittel«, sagte Tom. »Ich habe Filme gesehen.«
»Du hast sie am ersten Abend mit Keksfingern angefasst.«
»Deshalb weiß ich, dass Kekse keine Spuren hinterlassen, die uns weiterbringen.«
Er legte die Marke auf ein schwarzes Tuch, knipste die Lampe an und drehte den Kopf der Leuchte, bis das Licht flach wie Wasser über das Glas strich.
Dann wurde er still.
Das passierte selten, und es bedeutete etwas.
Mara beugte sich neben ihn.
Im Schräglicht war die Marke nicht mehr glatt. Die Oberfläche hatte ein Relief aus feinsten Bahnen, enger als Fingerrillen, und in der Tiefe des Glases hingen winzige Blasen, länglich verzogen, alle in dieselbe Richtung.
»Okay«, sagte Tom leise. »Also. Erstens: Das ist altes Glas. Sehr altes. Die Blasen — so gießt heute niemand mehr, nicht mal aus Versehen. Zweitens: Der Rand ist nicht gebrochen und nicht geschmolzen. Der ist geschliffen. Von Hand. Drittens —« Er schob die Lupe über die Kante und hielt den Atem an. »Drittens ist das hier kein Anhänger und keine Münze und kein Glücksbringer vom Jahrmarkt.«
»Sondern?«
»Ein Werkstück.« Er sah auf. »Jemand hat sich dafür Zeit genommen, Mara. Richtig viel Zeit. Das macht man nicht für Deko. Das macht man, wenn das Ding etwas können muss.«
Der grüne Fleck an der Wand war inzwischen weitergewandert und hing jetzt schief über der Fußleiste.
»Oder etwas beweisen muss«, sagte Mara.
Tom sah sie fragend an.
»Ein Ausweis muss nichts können«, sagte sie langsam, während der Gedanke noch Form annahm. »Er muss nur echt sein.«
* * *
Um vier Uhr klingelte der Laptop.
Nila saß in der Küche des Inselhauses, weit draußen im Atlantik, das sah man am Fliesenmuster hinter ihr und an dem Handtuch mit den gestickten Booten. Ihr Gesicht war zu nah an der Kamera, wie immer, und im Hintergrund schepperte etwas, das nach ihrem Onkel Kofi und nach Blech klang.
»Er scannt«, sagte Nila statt einer Begrüßung. »Seit heute Mittag. Er hat Handschuhe an und redet mit den Heften.«
»Ich rede nicht mit den Heften!«, rief Kofi aus der Tiefe des Hauses. »Ich rede über die Hefte. Mit mir. Das ist Wissenschaft!«
Tom grinste und drehte den Laptop, bis die Marke im Bild lag. »Bericht der Abteilung Licht: Es ist altes Glas, handgeschliffen, und es will etwas von uns.«
»Glas will nichts«, sagte Nila.
»Das sagst du, weil du seine Blasen nicht gesehen hast.«
Nila kam noch näher an die Kamera, als könne sie so hindurchgreifen. Dann verschwand sie kurz und kam mit einem Blatt zurück, das Mara kannte: die Kopie der Heftseite, die Kofi ihnen am Tag nach dem Anruf geschickt hatte. Oben das Zeichen, mit Bleistift, von einer Hand, die sich Mühe gegeben hatte. Darunter der eine Satz.
»Ich habe Kofi nach dem Satz gefragt«, sagte Nila. »Woher Karima ihn hatte.«
»Und?«
»Er steht in den Heften, immer wieder, an den Rändern. Karima hat ihn ihr Leben lang gesagt. Immer nur diesen einen. Wenn der Wind schweigt, sieht Glas, was Stein vergisst.« Nila legte das Blatt weg. »Meine Mutter dachte als Kind, es geht ums Fensterputzen.«
Tom lachte. Mara nicht.
Sie zog den kleinen Papierstreifen näher, der in einer Klarsichthülle neben der Marke lag. Jakobs Schrift, eng und schnell.
Glaspass. Osten. Wenn der Wind schweigt.
»Derselbe halbe Satz«, sagte sie. »Bei Karimas Großmutter auf einer Insel im Atlantik. Und bei meinem Vater, in einem Umschlag, den er vor Jahren zugeklebt hat.«
Niemand sagte etwas.
Der Satz war zwischen ihnen schon einmal durch die Leitung gegangen, am Abend nach dem Anruf, und seitdem noch ein paarmal. Er wurde nicht kleiner davon.
»Gut«, sagte Tom schließlich und riss ein neues Blatt von Maras Block. »Theorien. Die zwei Linien. Ich sage: technische Zeichnung. Zwei Mauern. Vielleicht ein Kanal.«
»Ufer«, sagte Nila. »Ein Fluss, von oben.«
»Der Bogen wäre dann eine Brücke.«
»Oder ein Tor.«
»Oder ein Regenbogen«, rief Kofi von hinten.
»Du scannst!«, riefen Nila und Tom gleichzeitig.
Mara hörte zu und schrieb mit. Das war ihre Aufgabe geworden, ohne dass es jemand beschlossen hätte: Sie sammelte. Sie strich nichts durch, noch nicht, auch den Regenbogen nicht. Auf der Insel hatte sie gelernt, dass die richtige Antwort am Anfang oft aussah wie die dumme.
»Und die drei Punkte?«, fragte sie.
»Sterne«, sagte Tom. »Orion. Irgendwas mit Navigation.«
»Dörfer«, sagte Nila. »Oder Brunnen. Auf Karten sind Brunnen Punkte.«
»Warum steht dann einer tiefer?«
Stille.
Der tiefere Punkt war die Stelle, an der alle Theorien bisher stehen geblieben waren. Sterne standen nicht tiefer. Dörfer rutschten nicht weg. Tom hatte am zweiten Abend gesagt, vielleicht sei es einfach ein Fehler, dem Graveur abgerutscht, und Mara hatte genickt und es nicht eine Sekunde lang geglaubt. Wer so schliff, dem rutschte nichts ab.
Als sei er unterwegs, dachte sie wieder.
Unterwegs wohin?
Es klopfte.
Elin stand in der Tür, ein Tablett in den Händen. Drei Becher, obwohl nur zwei Menschen im Zimmer waren, und ein Teller mit den Keksen, die Tom mochte und die es früher nur zu Besuch gegeben hatte.
Sie blieb an der Schwelle stehen.
Das war neu, und es war Arbeit, das wusste Mara. Elin stand da, hielt das Tablett und wartete, und in ihrem Gesicht arbeitete die alte Elin gegen die neue: Die alte wollte hereinkommen, den Bildschirm sehen, die Marke sehen, alles sehen. Die neue wartete.
Mara schob den Kram auf dem Schreibtisch zur Seite, bis eine Ecke frei war.
»Da wäre Platz«, sagte sie.
Elin stellte das Tablett auf die freie Ecke. Sie sah dabei auf die Marke, nur kurz, und etwas ging über ihr Gesicht, das Mara nicht lesen konnte. Kein Erschrecken. Eher ein Wiedererkennen, das keinen Ort fand.
»Hallo, Nila«, sagte sie zum Bildschirm.
»Hallo, Frau Seidel.«
»Sag Kofi, er soll nicht ohne Pause scannen. Die Augen.«
»Er wird sagen, Wissenschaft kennt keine Pause.«
»Dann sag ihm, Wissenschaft kennt Augentropfen.«
Sie ging wieder. An der Tür drehte sie sich noch einmal um, und Mara wartete auf eine Frage, auf ein Sei vorsichtig, auf irgendeinen Satz mit Gewicht.
»Der dritte Becher ist für die Marke«, sagte Elin. »Sie sieht aus, als hätte sie viel erlebt.«
Dann war sie draußen.
Tom sah ihr nach und nahm sich einen Keks. »Deine Mutter«, sagte er, »wird von Woche zu Woche seltsamer und besser.«
»Ich weiß«, sagte Mara.
Und weil es stimmte, sagte sie es noch einmal, leiser: »Ich weiß.«
* * *
Am Abend war das Zimmer wieder ihr eigenes.
Tom war gegangen, mit Lampe und Lupe und drei geretteten Keksen, nachdem sie den Nachmittag lang Theorien gebaut und wieder eingerissen hatten. Der Laptop war zugeklappt. Unten lief Wasser in der Küche, dann verstummte es, und das Haus machte die kleinen Geräusche, die Häuser machen, wenn sie glauben, dass niemand mehr zuhört.
Mara saß im Kreis ihrer Schreibtischlampe und hatte den Papierstreifen aus der Hülle genommen.
Sie tat das nicht oft. Der Streifen war dünn, und Jakobs Schrift darauf war das Konkreteste, was sie von ihm besaß, seit er vor fünf Jahren nicht zurückgekommen war — konkreter als das Feldbuch, konkreter als Fotos. Fotos zeigten, wie jemand aussah. Schrift zeigte, wie jemand dachte.
Glaspass. Osten. Wenn der Wind schweigt.
Drei Angaben. Ein Ziel, eine Richtung, eine Bedingung. So hatte Tom es genannt, und Nila hatte gesagt: Oder eine Warnung, und dann hatten sie über etwas anderes geredet, weil an dem Wort niemand rühren wollte.
Mara drehte den Streifen um.
Sie hatte das schon getan, natürlich. Am ersten Abend, mit Tom, unter der Küchenlampe. Die Rückseite war leer gewesen.
Unter der Schreibtischlampe, im schrägen Licht, war sie es nicht.
Mara wurde sehr ruhig.
Da war etwas. Kein Wort, das man las. Eher der Schatten eines Wortes. Bleistift, so blass, dass er nur noch als Glanz existierte, und darüber die feinen Riefen eines Radiergummis. Jemand hatte hier geschrieben und es sich anders überlegt. Aber Bleistift drückte sich ins Papier, und Papier vergaß langsamer, als Radiergummis versprachen.
Sie hielt den Streifen flach gegen das Licht, so wie Tom es ihr am Nachmittag mit dem Glas gezeigt hatte.
Kippte ihn.
Kippte ihn zurück.
Zwei Wörter.
Das erste begann mit einem J. Jemand. Das zweite war länger, ein s am Anfang, dann ein Auf und Ab aus Bögen, ein doppeltes m vielleicht, ein t am Ende.
Jemand sammelt.
Mara saß lange still.
Der Kühlschrank unten brummte an und wieder ab. Auf der Straße zog ein Fahrrad vorbei, das Klicken der Speichen wurde lauter und leiser und war weg.
Jemand sammelt.
Ihr Vater hatte diese zwei Wörter geschrieben, unter das Ziel, die Richtung und die Bedingung. Und dann hatte er sie wieder weggerieben, sorgfältig, damit seine Tochter sie nicht las. Damit niemand sie las. Er hatte sich entschieden, dass drei Angaben genug waren, und die vierte, die Warnung, hatte er mitgenommen, dorthin, wo er jetzt war.
Es hatte nicht ganz funktioniert.
Papier vergaß langsamer.
Maras erster Gedanke war das Handy. Tom anrufen. Nila anrufen. Das Foto in die Gruppe, drei Ausrufezeichen, morgen früh Krisensitzung.
Ihre Hand lag schon auf dem Telefon.
Und blieb dort liegen.
Wenn sie es sagte, würde Tom aufhören, Regenbögen vorzuschlagen. Nila würde nachts wach liegen und rechnen, wem man noch trauen konnte. Elin — Elin würde gar nichts sagen, sie würde nur wieder anfangen, an der Schwelle zu stehen, und alles, was in den letzten neun Tagen leichter geworden war, würde wieder schwer.
Jemand sammelt hieß: Es gibt jemanden.
Es hieß: Diese Suche hat einen Preis, und mein Vater kannte ihn.
Mara sah den Streifen an, und der Streifen sah zurück, blass und geduldig, und wartete, was sie mit ihm machen würde.
Sie würde es sagen.
Natürlich würde sie es sagen.
Nur noch nicht heute. Heute war das Zeichen ein Rätsel und der Osten ein Abenteuer und die Marke ein Werkstück, das Tom mit Museumshandschuhen anfasste. Das durfte noch einen Tag so bleiben. Zwei Tage vielleicht. Bis sie mehr wusste. Bis das Wort jemand einen Namen hatte oder sich in Luft auflöste. Man beunruhigte keine Menschen mit einem Schatten von einem Wort.
Es fühlte sich vernünftig an.
Es fühlte sich an wie Schutz.
Irgendwo, ganz hinten, dort, wo sie die Stimme ihrer Mutter aus fünf Jahren gespeichert hatte, klang es außerdem noch nach etwas anderem, aber Mara hörte nicht hin.
Sie legte den Streifen zurück in die Hülle, die Hülle in die Blechdose, die Dose in die Schublade.
Die Schublade schloss mit einem kleinen, satten Geräusch.
* * *
Das Handy summte um kurz nach zehn.
Kofi. Kein Anruf, eine Nachricht, und noch eine, und dann liefen sie ein wie Regen: **Fertig. 214 Seiten. Meine Finger sind jetzt offiziell Archivmaterial.** Dann: **Ich schicke alles über den Cloud-Ordner, sortiert nach Heft. Die frühen sind die besten.** Dann: **Nila sagt, ich soll dir nicht schreiben, dass in Heft drei was Seltsames ist. Also schreibe ich es nicht.**
Mara lächelte, gegen ihren Willen, und klappte den Laptop wieder auf.
Der Ordner füllte sich, während sie zusah. Datei um Datei, Seite um Seite. Karima musste eine geduldige Frau gewesen sein, die Zeilen liefen gerade wie mit dem Lineal gezogen, obwohl da kein Lineal gewesen war, nur Übung und Zeit.
Mara öffnete die erste Datei, dann wahllos eine aus der Mitte.
Briefe. Abschriften von Briefen, seitenlang, mit Datumszeilen aus einer Zeit, in der Elin noch nicht geboren gewesen war. Namen, die ihr nichts sagten. Ein Wort in einer Sprache, die sie nicht kannte, sauber unterstrichen, daneben mit Bleistift die Übersetzung.
Sie scrollte weiter, und dann hielt sie an.
Zwischen zwei Seiten voller Schrift lag eine Seite fast ohne Worte.
In der Mitte, mit Bleistift, von einer Hand, die sich Mühe gegeben hatte: zwei schmale Linien, die sich nicht berührten. Dazwischen ein kleiner Bogen. Darunter drei Punkte.
Einer stand tiefer.
Unter dem Zeichen stand eine einzige Zeile, und Mara musste sie nicht übersetzen, denn sie war auf Deutsch, in alten, geraden Buchstaben, und sie lautete:
**Für die, die mit dem Glas kommt.**
Die.
Nicht der.
Mara saß im Lampenkreis, in ihrem Zimmer, in dem der grüne Fleck längst erloschen war, und spürte ihr Herz bis in die Fingerspitzen.
Draußen strich der Wind ums Haus.
Er schwieg noch lange nicht.
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Es ist Band 2 der Reihe »Die Meridian-Abenteuer«.
Ja. Das komplette erste Kapitel »Kapitel 1« steht hier kostenlos zum Lesen und als Hörprobe zum Anhören.
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