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Stürmische Zeiten auf Fehnholm

Cover: Stürmische Zeiten auf Fehnholm

Ein Nordsee-Roman über einen Herbststurm, ein Dorf, das zusammenhält, und die Kunst, sich zu binden

Deutsch Band 3 der Reihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm« von Andreas Reis.

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Worum es geht

Der Sommer ist vorbei, die Gäste sind fort, und Fehnholm rüstet sich für den Winter. Marit Feddersen wintert ihre einhundertzwölf Strandkörbe ein, holt den ältesten von allen in die Werkstatt — den Korb der Bäckerfamilie Harms — und merkt zum ersten Mal, wie sehr sie an dieser Insel hängt. Und wie sehr ihr das Angst macht.

Denn Marit kennt das Gefühl, alles zu verlieren, was man liebt. Also hält sie ein Stück zurück: von der Insel, von dem Dorf, das sie längst trägt, und von dem wortkargen Bootsbauer, dem sie mehr vertraut als sich selbst.

Dann kündigt das Radio eine Sturmflut an, wie sie Fehnholm seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. In einer einzigen Nacht kämpft die ganze Insel gegen das Wasser — mit Sandsäcken, mit Seenotrettern und mit dem heißen Brot aus einer Backstube, die zum Herzen der Rettung wird. Und Marit lernt, dass ein Zuhause nichts ist, das die Flut einem nehmen kann. Es sind die Menschen, die für einen ins Wasser waten.

Ein warmherziger Küstenroman über Zusammenhalt, über einen Bäcker und den Segen seines Vaters, über eine leise Liebe, die einen großen Schritt macht — und über eine alte Spur, die aufs Festland führt. Nur über Korb Nummer null spricht auf Fehnholm noch immer niemand.

Auf einen Blick

Reihe
Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm, Band 3
Umfang
280 Seiten (Taschenbuch)
Ausgaben
Kindle, Paperback
Sprache
Deutsch
Autor
Andreas Reis
Leseprobe
Kapitel 1 vollständig, kostenlos

Hörprobe: Kapitel 1 zum Anhören

Das komplette erste Kapitel, ungekürzt vorgelesen (11:50 Minuten). Die Aufnahme nutzt eine synthetische Stimme.

Leseprobe: Kapitel 1

Das erste Kapitel in voller Länge (1890 Wörter) - kostenlos lesen, ohne Anmeldung.

%% PART: Erster Teil — Nachsaison # Der Wind dreht

Die letzte volle Fähre des Sommers legte um zwei ab, und Marit Feddersen stand auf der Mole und sah zu, wie die Insel den Sommer aus sich herausatmete.

Sie hatten sich alle noch einmal versammelt, die Gäste, oben an Deck und unten an der Reling, Koffer und Klappstühle und sonnenrote Gesichter, und die Fähre lag tief im Wasser, wie sie es nur an diesem einen Nachmittag im Jahr tat. Thees Volkerts würde morgen wiederkommen und übermorgen auch, aber dann fast leer, mit Kisten und der Post und drei Handwerkern vom Festland. Die vollen Fähren waren vorbei. Man sah es dem Wasser an, das schon kein Sommerwasser mehr war, sondern ein tieferes, ernsteres Grau angenommen hatte, als hätte jemand über Nacht eine andere Farbe angerührt.

Am Bug stand Frau Ellerbrook, aufrecht wie immer, den Mantel schon zugeknöpft, obwohl die Sonne noch schien. Sie hob die Hand, nicht winkend, dafür war sie zu vornehm, eher grüßend, so wie man einem Haus zunickt, in dem man gute Jahre verbracht hat. Am Morgen hatte sie Marit die Hand gegeben, trocken und fest, und einen einzigen Satz gesagt.

»Nächstes Jahr, Kind. Der Stuhl bleibt, wo er ist.«

Dann war sie an Bord gegangen, ohne sich noch einmal umzudrehen, und Marit hatte gedacht, dass es Menschen gab, die das Bleiben besser beherrschten als das Gehen, und dass Frau Ellerbrook zu ihnen gehörte, obwohl sie jetzt fuhr.

Die Leinen fielen, der Diesel schlug an, und die Fähre schob sich vom Anleger weg, und mit ihr schob sich der ganze Sommer hinaus aufs Wasser und wurde kleiner.

Sie kannte inzwischen ein paar der Gesichter da oben. Das Ehepaar aus Korb 40, das sich jeden Sommer aufs Neue verlobte und darüber stritt, wer damals eigentlich gefragt hatte. Die beiden Schwestern aus 101 und 102, die nur hier miteinander sprachen und nirgendwo sonst. Menschen, die im Frühjahr Fremde gewesen waren und jetzt, im September, etwas anderes: Stammplätze in einem Jahr, das zu Ende ging. Man gewöhnte sich an sie, und man musste sie trotzdem gehen lassen, und am Ende blieben nur die Nummern an den Rahmen und die Kärtchen, auf denen stand, was man an ihnen repariert hatte.

Marit hätte erleichtert sein sollen. Sie kannte diese Erleichterung von anderen, die sie in den letzten Wochen ausgesprochen hatten wie ein Versprechen: bald ist Ruhe, bald gehört die Insel wieder uns. Sie spürte sie nicht. Sie spürte etwas anderes, und sie mochte es nicht, weil es keinen guten Namen hatte.

Der Strand hinter ihr war leer geworden, von einem Atemzug zum nächsten. Wo vorhin noch Menschen zwischen den Körben gesessen hatten, lag jetzt nur Sand, weit und blank, und die einhundertzwölf Körbe standen in ihren Reihen, als wären sie über Nacht gewachsen. Ohne die Gäste war der Strand größer, und Marit war darin kleiner, und genau das war es: dass sie sich an diesem Ort inzwischen so groß fühlte, so verwurzelt, so zu Hause, dass die Leere ihr etwas wegnahm, was sie erst seit Kurzem besaß.

Sie kannte diesen Reflex. Er kam aus Hamburg. Er kam aus vierzehn Jahren Werkstatt, die an einer dritten Mieterhöhung gestorben war, und er sagte ihr leise, jedes Mal, wenn sie etwas zu sehr liebte: Halt dich nicht zu fest. Es wird dir wieder genommen.

Marit strich mit der Hand über die kalte Steinbrüstung der Mole, so wie sie über Holz strich, bevor sie eine Entscheidung traf, und sagte sich, dass das Unsinn war. Dann drehte sie sich um und ging zurück zum Strand, weil Arbeit noch nie jemandem geschadet hatte, der zu viel dachte.

* * *

Korb 17 mussten sie als Ersten abbauen. So war es Almas Ordnung gewesen, und so hielt Marit es: Was zuerst gemietet wurde, wurde zuletzt eingewintert und im Frühjahr zuerst wieder aufgestellt, damit Frau Ellerbrooks Platz nie warten musste. Jetzt aber war die Saison vorbei, und der Korb kam vom Strand herunter.

Lene half, so gut ein neunjähriges Kind half, das mehr beaufsichtigte als anfasste. Sie hatte den Besucherstuhl schon abmontiert, den klappbaren aus Eichenresten, den sie im Frühjahr zu dritt gebaut hatten, Ole und Marit und Hannes, und trug ihn feierlich zur Halle, als trüge sie etwas Kostbares.

»Der kommt ganz nach vorn ins Regal«, bestimmte Lene. »Damit er sich nicht einsam fühlt.«

»Stühle fühlen sich nicht einsam.«

»Woher willst du das wissen.« Lene sagte es nicht frech, sondern sachlich, wie sie die meisten Dinge sagte, und Marit hatte darauf keine Antwort, was bei den Fragen ihrer Tochter öfter vorkam, als ihr lieb war.

Sie hoben den Korb aus dem Sand, an den blankgegriffenen Griffen, die Alma vor sechzig Jahren in dieselbe Höhe gesetzt hatte, in der auch heute noch eine Hand von selbst zupackte, und trugen ihn zum Hänger. Der Korb war leicht für seine Größe, so wie gute Arbeit immer leicht ist, und roch nach Salz und nach dem Sommer, den er getragen hatte.

»Der wird ganz schön alt, was«, sagte eine Stimme hinter ihnen, und Marit wusste, ohne sich umzudrehen, dass es Sönke Harms war, weil man Sönke roch, bevor man ihn sah: Hefe, warmes Mehl, ein Hauch Kaffee.

»Moin, Sönke.«

»Moin.« Er stellte einen Papierbeutel auf die Ladekante des Hängers, und darin lagen Franzbrötchen, die letzten der Saison, denn Sönke buk sie nur, solange Gäste da waren, und stritt sich den Rest des Jahres mit dem Festland-Lieferanten darüber, ob man das überhaupt Franzbrötchen nennen dürfe, was der lieferte. »Für zwischendurch. Ist ja niemand mehr da, der sie mir wegkauft.«

Lene griff sofort zu. »Danke, Sönke«, sagte sie mit vollem Mund, und Sönke brummte etwas, das bei ihm ein Gernegeschehen war. Marit ließ ihr den Vortritt und sah Sönke an, der die Reihen der Körbe musterte, wie ein Bäcker Brote mustert, mit einem Blick, der den fertigen Zustand schon kennt.

»Korb 17 machst du jedes Jahr als Ersten«, sagte er. »Das ist richtig so.« Dann, beiläufiger, als es sein durfte: »Der Fünfer gehört mal richtig gemacht. Nicht nur geflickt. Ganz. Der ist der Älteste, der steht noch.«

»Korb 5?«

»Der Fünfer, ja.« Sönke sah aufs Wasser, nicht auf Marit. »War schon immer unser Korb. Der Harms-Korb.« Er sagte es, wie man etwas sagt, das man loswerden will, und im selben Moment schob sich etwas über sein Gesicht, das nicht zu dem beiläufigen Ton passte, ein Schatten, kurz nur, und dann war er wieder der redselige Bäcker, der über das Wetter sprach und über den Lieferanten und darüber, dass der Herbst früh käme dieses Jahr, man merke es am Mehl.

Marit merkte es nicht am Mehl. Aber sie merkte, dass ein Mann, der über alles redete, gerade über einen einzigen Korb zu schnell hinweggeredet hatte, und sie fragte nicht nach. Sie hatte im Frühjahr gelernt, dass manche Dinge einem Menschen gehörten und nicht der Insel, und dass man sie stehen ließ, bis der Mensch selbst sie in die Hand nahm.

»Ich hol ihn mir die Tage in die Werkstatt«, sagte sie nur. »Ganz. Versprochen.«

Sönke nickte, als hätte sie eine Rechnung beglichen, und ging.

* * *

Ole kam am späten Nachmittag mit dem Boot, wie er im Herbst oft kam, wenn das Wasser fiel und die Arbeit auf beiden Seiten des Deichs dieselbe wurde. Er half, ohne dass man ihn bat, das war seine Art, und sie holten gemeinsam die ersten Körbe aus den vorderen Reihen, kippten sie behutsam auf den Rücken, prüften die Läufer, zogen die Winterplanen darüber.

Sie arbeiteten gut zusammen. Das war das Erstaunliche und das Selbstverständliche zugleich, nach diesem Sommer, in dem so viel zwischen ihnen gestanden hatte und wieder weggeräumt worden war, Stück für Stück, wie man einen Sturmschaden wegräumt: dass ihre Hände denselben Takt kannten, dass keiner dem anderen sagen musste, wo er anfassen sollte, dass das Schweigen zwischen ihnen längst kein Schweigen mehr war, sondern eine Verständigung.

»Neun weniger als letztes Jahr«, sagte Ole, als sie die erste Reihe abgedeckt hatten, und meinte die Körbe, die über den Sommer neu bespannt worden waren. »Du wirst schneller.«

»Ich hab gelernt, wo ich anpacken muss.«

»Kann man merken.« Er sagte es nicht als Kompliment, sondern als Feststellung, was bei Ole aufs Selbe hinauslief. Dann richtete er sich auf, wischte sich die Hände an der Hose ab und sah sie an, einen Moment zu lang, so wie er sie in letzter Zeit ab und zu ansah, und in diesem Moment lag etwas, das man mit einem Wort hätte benennen können, wenn man den Mut gehabt hätte.

Marit hatte den Mut nicht. Sie bückte sich nach der nächsten Plane, ein bisschen zu schnell, und der Moment zog vorbei wie eine Wolke, und Ole ließ ihn ziehen, ohne ein Wort, ohne zu drängen, wie er nie drängte.

Früher, im Frühjahr, hätte sie sich über sich selbst geärgert. Jetzt kannte sie den Grund zu gut, um sich zu ärgern. Sie sah Ole zu, wie er den nächsten Korb prüfte, geduldig, mit diesen Händen, die aussahen wie Almas Werkzeug, blankgegriffen von jahrelanger Arbeit, und dachte, dass sie einem Menschen wie ihm alles zutrauen würde. Alles, außer dem einen: dass er blieb, wenn es darauf ankam. Nicht weil er gehen würde. Sondern weil alles ging, was sie festhielt.

Es lag nicht an ihm. Sie wusste das genau, und das machte es nur schlimmer. Es lag an dem leisen Satz aus Hamburg, der schneller war als jeder gute Gedanke: Halt dich nicht zu fest.

Sie zogen die Plane gemeinsam glatt und verzurrten sie, und der Wind griff hinein und wollte sie ihnen aus den Händen reißen, und sie hielten dagegen, beide, bis der Knoten saß.

* * *

Am Abend ging Marit noch einmal auf den Deich, weil sie den Kopf frei brauchte, und Thees stand schon dort, wie er oft dort stand, die Pfeife im Mundwinkel, kalt wie immer, und sah nach Westen.

»Moin, Thees.«

»Moin.« Er nahm die Pfeife nicht aus dem Mund. Eine Weile sagte keiner etwas. Das Wasser lag weit und dunkel bis zum Horizont, wo die letzten Farben des Tages hingen, und über allem strich ein Wind, der Marit erst jetzt auffiel, weil er sich anders anfühlte als am Morgen. Er kam nicht mehr von der Seite. Er kam von vorn, von dort, wo das Wetter herkam.

»Riechst du das?«, fragte Thees.

Marit hob das Gesicht in den Wind. Salz, natürlich, und Tang, und etwas darunter, etwas Metallisches, Kaltes, das sie nicht kannte.

»Was ist das?«

»Das«, sagte Thees, und jetzt nahm er die Pfeife doch aus dem Mund und deutete damit hinaus aufs Wasser, »ist der Herbst, der ankommt.« Er sah zu, wie eine einzelne Möwe gegen den Wind stand, ohne vorwärtszukommen, mühelos an einem Ort in der Luft. »Der Wind dreht, Deern. Wird ein früher Herbst.«

Er sagte es ruhig, wie er alles sagte, und trotzdem blieb es an Marit hängen, länger, als es hätte sollen. Sie stand neben dem alten Fährmann auf dem Deich, zwischen dem Meer, das dunkler wurde, und der Insel hinter ihr, auf der ein Licht nach dem anderen anging, und sie dachte, dass sie zum ersten Mal seit sehr langer Zeit einen Ort hatte, den sie nicht verlieren wollte.

Und noch während sie es dachte, kam der leise Satz aus Hamburg und legte sich darüber wie eine kalte Hand.

Hinter ihr, unten am Strand, hoben und senkten sich die Winterplanen im drehenden Wind, eine nach der anderen, ein langsames Atmen aus Segeltuch, den ganzen Strand entlang.

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Häufige Fragen

Worum geht es in »Stürmische Zeiten auf Fehnholm«?

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»Stürmische Zeiten auf Fehnholm« ist ein Buch von Andreas Reis.

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Es ist Band 3 der Reihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm«.

Gibt es eine Leseprobe zu »Stürmische Zeiten auf Fehnholm«?

Ja. Das komplette erste Kapitel »Kapitel 1« steht hier kostenlos zum Lesen und als Hörprobe zum Anhören.

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