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Sommergäste in der Strandkorbwerkstatt

Cover: Sommergäste in der Strandkorbwerkstatt

Ein Nordsee-Inselroman über einen Sommer voller Gäste, 112 Strandkörbe und die Kunst, sich Nähe wieder zuzutrauen

Deutsch Band 2 der Reihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm« von Andreas Reis.

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Worum es geht

Der Sommer kommt nach Fehnholm wie die Flut — auf einmal und mit hundert Gesichtern.

Marit Feddersen hat ihren ersten Frühling auf der kleinen Nordseeinsel überstanden, die Werkstatt läuft, die einhundertzwölf Strandkörbe stehen offen im Licht. Doch mit der Hochsaison kommen nicht nur Gäste. An Korb dreiundsechzig, dem Stammplatz einer Familie seit fünfunddreißig Sommern, treffen sich ein Bruder und eine Schwester wieder, die einander seit Jahren nichts mehr zu sagen haben — und die nun einen Korb teilen sollen, den keiner von beiden aufgeben will.

Während Marit lernt, dass man manche Dinge nicht reparieren kann, sondern nur in Ruhe lassen muss, läuft eines Morgens ein Boot in den Hafen, das dort niemand erwartet hat. Es trägt einen Namen, den nur einer auf der Insel kennt — und mit ihm kehrt ein Stück von Ole Jacobsens Vergangenheit zurück, das er längst verabschiedet glaubte.

Zwischen Werkstatt und Deich, zwischen einem geteilten Strandkorb und einem halben Sommer voller Sommergäste entdeckt Marit, dass die schwerste Handarbeit die ist, für die man die Hände stillhalten muss.

Der zweite Band der Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm — warm, salzig und zum Dableiben. In sich abgeschlossen, mit einem Happy End und einem leisen Sog auf den nächsten Sommer.

Auf einen Blick

Reihe
Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm, Band 2
Umfang
274 Seiten (Taschenbuch)
Ausgaben
Kindle, Paperback
Sprache
Deutsch
Autor
Andreas Reis
Leseprobe
Kapitel 1 vollständig, kostenlos

Hörprobe: Kapitel 1 zum Anhören

Das komplette erste Kapitel, ungekürzt vorgelesen (12:05 Minuten). Die Aufnahme nutzt eine synthetische Stimme.

Leseprobe: Kapitel 1

Das erste Kapitel in voller Länge (1893 Wörter) - kostenlos lesen, ohne Anmeldung.

%% PART: Erster Teil — Die volle Insel # Der volle Strand

Um Viertel nach fünf gehörte der Strand noch Marit allein, und sie nutzte das aus wie einen Vorschuss, von dem niemand wusste.

Sie ging die erste Reihe entlang, die Nummern eins bis vierzehn, barfuß im Sand, der über Nacht kühl geworden war und die Wärme des Vortags nur noch weit unten hielt, wo die Zehen sie fanden. Um die Hüfte trug sie den schmalen Werkzeuggurt, den sie sich für genau diese Stunde angewöhnt hatte: eine Flachzange, einen Schraubendreher, ein Knäül Bindfaden, ein paar Ersatzknöpfe für die Markisen. Im Sommer reparierte man nicht mehr auf der Werkbank. Man reparierte im Gehen, in der einen stillen Stunde zwischen der letzten Welle Menschen von gestern und der ersten von heute.

Denn sie kamen jetzt in Wellen. Das war es, was der Hochsommer ihr beigebracht hatte, gründlicher als jedes Fachbuch: dass ein Strand mit einhundertelf Körben kein Ort war, sondern ein Gezeitending. Morgens um zehn schwappte die erste Flut über den Deich — Handtücher, Kühltaschen, Kinder wie losgelassene Hunde. Abends um sechs zog sie sich zurück und ließ ab, was ein Tag so anspülte: vergessene Sonnenhüte, einen einzelnen Kinderschuh, Sand in jeder Ritze, und hier und da einen Schaden, den die Freude angerichtet hatte.

Korb acht zum Beispiel. Die Markise hing schief, weil gestern drei Halbwüchsige zu viert darin gesessen und an der Kurbel gedreht hatten, bis etwas nachgab. Marit ging in die Hocke, öffnete die Seitenklappe und tastete nach dem Zahnrad. Ein Stift war aus der Führung gesprungen, mehr nicht. Sie schob ihn zurück, prüfte den Widerstand, kurbelte einmal auf und wieder zu. Das Geräusch — dieses satte, kehlige Schnurren gut geölter Mechanik — war das erste zufriedene Geräusch des Tages, und es kam von ihr.

»Na also«, sagte sie zu Korb acht. Sie redete mit den Körben. Sie hatte damit aufgehört, sich das abzugewöhnen.

Der Himmel über der See war noch milchig, aber am Grund schon warm, ein Blau, das sich seiner selbst noch nicht sicher war. Es würde ein heißer Tag werden. Man roch es, bevor man es sah — an der Luft, die schon jetzt nicht mehr richtig abkühlte, an dem Tang, der über Nacht angetrocknet war und nun begann, seinen scharfen, guten Geruch abzugeben. Marit richtete sich auf, dehnte den Rücken und sah die lange Reihe hinunter, jeder Korb ein kleines aufgeräumtes Versprechen, und für einen Moment war da wieder dieses Gefühl, das sie sich im Frühjahr nicht hätte erklären können und das sie jetzt nicht mehr erklären musste.

* * *

Im April, als sie gekommen war, hatten hier einhundertelf Körbe unter grauen Planen geschlafen wie eine eingemottete Kompanie. Sie hatte nachts von ihnen geträumt, von der Zahl vor allem — einundvierzig davon reparaturbedürftig — und von der Frist, die über allem gehangen hatte wie schlechtes Wetter.

Jetzt war Mitte Juli, und die Planen lagen zusammengefaltet auf dem Dachboden, und die Körbe standen offen und voll im Licht, jeder ein kleines Zimmer mit Aussicht, jeder vermietet, viele auf Wochen. Das Fehnholmer Blau der frisch bespannten Markisen war in der Sonne nachgedunkelt zu einem Ton, den Marit inzwischen mit geschlossenen Augen mischen konnte. Die Frist war bezahlt. Die Bank hatte ihre Quartalszahlen bekommen und geschwiegen, was bei Banken das Höchste an Zustimmung war. Und trotzdem stand Marit jeden Morgen um fünf auf, nicht aus Sorge, sondern aus einer Gewohnheit, die tiefer saß als die Sorge: Sie wollte den Strand einmal am Tag sehen, bevor er anderen gehörte.

Sie kannte die Lücke inzwischen, ohne zu zählen — den Platz oben am Dünenrand, an dem kein Korb stand und doch einer verzeichnet war, ordentlich, leer. Sie hatte ihn im Frühjahr nachgeharkt, an dem Abend, als der letzte der einundvierzig fertig geworden war, und sie harkte ihn seither jeden Sonntag nach, ohne recht zu wissen, warum, außer dass Alma es getan hätte. Man fragte auf Fehnholm nicht nach Korb null. Man pflegte ihn und schwieg, und das Schweigen war freundlich.

Heute ließ Marit die Harke stehen. Heute war zu viel zu tun.

* * *

Gegen halb sieben wachte das Dorf hinter dem Deich auf, und man hörte es, bevor man es sah. Zuerst Sönke Harms' Backstube, aus deren Abzug schon seit vier Uhr der Geruch von Warmem und Süßem über die Dächer kroch und den Marit an manchen Tagen für den eigentlichen Grund hielt, warum Menschen auf einer Insel blieben. Dann das feine elektrische Sirren von Imkes Postkarren, der die Runde begann. Dann, näher, das Klacken eines Fahrrads, das schon bessere Ketten gesehen hatte: Hannes.

Er war Anfang Juni sechzehn geblieben und über den Sommer irgendwie älter geworden, wie es Jungen in diesem einen Jahr tun, in dem sich alles auf einmal entscheidet. Aus dem Pflichtpraktikanten, der im Frühjahr wie eine Beschwerde im Werkstatttor gelehnt hatte, war ein Geselle geworden, der morgens vor ihr am Schloss stand, wenn er sich nicht verschlief. Was er tat. Aber seltener.

»Moin«, rief er im Vorbeifahren und hob nicht die Hand, weil er beide an der Lenkstange brauchte, und Marit rief »Moin« zurück und dachte, wie an jedem dieser Sommermorgen, dass Moin ein gutes Wort war, weil es keine Uhrzeit kannte und keine Antwort verlangte.

Im Verleihbüro brannte schon Licht. Das brannte inzwischen immer zuerst. Svenja Brodersen saß hinter der Theke, vor sich drei Listen und einen Kaffee, den sie um sechs kochte und um sieben vergaß, und sie sah auf, als Marits Schatten durch die offene Tür fiel.

»Vierzig Anreisen heute«, sagte Svenja statt einer Begrüßung. »Zwei Doppelbuchungen, die keine wären, wenn die Leute lesen könnten. Und Korb dreiundsechzig macht mir Sorgen.« Sie tippte mit dem Stift auf eine Zeile. »Da stimmt was nicht in den Zahlen. Und wenn bei mir was nicht stimmt, stimmt es meistens im Leben nicht.«

»Ich weiß«, sagte Marit. »Ich glaube, die Sorge steht gerade am Strand.«

Und irgendwo zwischen Büro und Deich lief Lene bereits los, barfuß, die Sammelbox unterm Arm, die über den Winter zu klein geworden und trotzdem dieselbe geblieben war — um herauszufinden, was der Tag verloren hatte, damit sie es zuerst fand.

* * *

Draußen auf dem Wasser, wo die Fahrrinne einen dunkleren Streifen ins Silber zog, lief ein Boot ohne Eile Richtung Hafen. Sie erkannte es am Gang, bevor sie die Farbe erkannte: Ole fuhr, wie er redete, ohne ein Wort zu viel. Ein Seenotretter-Vormann war im Sommer selten vor Sonnenaufgang zu Hause; irgendwo war immer eine Sandbank, die einen Ausflügler falsch beraten hatte, oder eine Ankerleine, die sich beklagte.

Marit hob die Hand. Es war albern, über diese Entfernung — er konnte kaum sehen, wer da winkte, und selbst wenn, war Ole niemand, der zurückwinkte, wenn er ein Ruder in der Hand hatte. Aber das Boot wurde für den Bruchteil eines Herzschlags langsamer, ganz leicht, so wie ein Satz langsamer wird, bevor jemand beschließt, ihn doch nicht auszusprechen, und dann zog es wieder an und war um die Mole herum verschwunden.

Nächsten Winter, wenn hier Ruhe ist, könnten wir ja. So weit war der Satz gekommen, an einem Abend Anfang Juni, ihre Hand auf einer Korblehne, seine daneben und dann darauf. Weiter war er nicht gekommen, und keiner von beiden hatte ihn seither zu Ende gebracht. Es war Hochsaison. Es war für angefangene Sätze keine Zeit, und vielleicht, dachte Marit manchmal, war das auch eine Art, sie aufzubewahren: unfertig, aber gut verstaut, wie ein Werkstück, an dem man weiterarbeitet, wenn wieder Licht ist.

Sie merkte, dass sie lächelte, und hörte damit auf, weil es niemanden anging.

* * *

Als sie sich zum Gehen wandte, stand am Ende der langen Reihe eine Frau.

Marit sah sie zuerst falsch — als Gast, als Frühaufsteherin, die dem Strand ein leeres Foto abgewinnen wollte, bevor die Handtücher kamen. Aber die Frau stand falsch für einen Gast. Sie stand, wie man an einem Grab steht, oder vor einem Amt: die Schultern zu gerade, die Handtasche zu fest im Griff, die Schuhe zu geschlossen für den Sand, in dem sie standen und der ihnen bereits durch die Nähte kroch. Eine Frau um die fünfundvierzig, mit einem Gesicht, das gewohnt war, Dinge geregelt zu bekommen — und das gerade an etwas geriet, das sich nicht regeln ließ.

Sie stand vor Korb dreiundsechzig.

»Guten Morgen«, sagte Marit, weil das immer ging.

Die Frau drehte sich nicht sofort um. Sie sah noch einen Atemzug lang auf den Korb, auf das Reparatur-Kärtchen am Rahmen, das Almas Handschrift trug und darunter, ganz frisch, Marits eigene, und erst dann hob sie den Blick.

»Gehört das Ihnen?«, fragte sie. »Der Verleih.«

»Seit April«, sagte Marit. »Marit Feddersen.«

Sie streckte die Hand nicht aus; die Frau sah nicht so aus, als wollte sie eine Hand. »Carstens«, sagte diese stattdessen, knapp, als läge in dem Namen eine Erklärung, die Marit sich gefälligst selbst zusammenreimen sollte. »Wiebke Carstens. Dieser Korb ist auf meinen Vater gebucht. Die ganze Saison, wie jedes Jahr.« Eine Pause, in der etwas arbeitete. »Mein Vater ist im Januar gestorben.«

Marit ließ das einen Moment stehen, so wie man ein volles Glas stehen lässt, bevor man es anhebt. »Das tut mir leid«, sagte sie, und meinte es, und wusste im selben Atemzug, dass es das Falsche war, weil es der Frau nichts nützte.

»Danke.« Es klang wie eine Tür, die zufällt. »Ich möchte die Buchung auflösen. Den Rest der Saison. Und die Sachen, die noch drin sind — es sollen Sachen von ihm drin sein, hat man mir gesagt.« Sie sah wieder zum Korb, kurz, gegen ihren Willen. »Ich nehme an, das lässt sich machen.«

Es ließ sich nicht machen. Das war das Erste, was Marit dachte, noch bevor sie wusste, warum, und es hatte nichts mit Buchhaltung zu tun und nichts mit der Erstattung, die Svenja auf den Tag genau ausrechnen könnte. Es hatte mit dem Kärtchen zu tun, das dichter beschrieben war als die meisten, dreißig und mehr Jahre Wartung in Almas gleichmäßiger Schrift, und mit der Zeile, die sie am Vorabend selbst in Svenjas Liste gesehen und nicht verstanden hatte: Carstens, ganze Saison, zwei Kissen, vorausbezahlt im Oktober. Ein Mann hatte im vergangenen Oktober für einen Sommer bezahlt, den er nicht mehr erleben würde. Für zwei Sitzkissen. Und war dann im Januar gestorben.

»Kommen Sie mit ins Büro«, sagte Marit. »Da sitzt es sich besser als hier. Und da ist Kaffee.«

Wiebke Carstens zögerte, und in dem Zögern war zum ersten Mal etwas anderes als Panzer — etwas Müdes, das schon sehr lange sehr weit gefahren war. Dann nickte sie.

Sie gingen die Reihe hinauf, und Marit hörte sich sagen, was sie nicht hatte sagen wollen, weil es die Sache verkomplizierte und weil sie es trotzdem sagen musste. »Nur damit Sie es wissen. Auflösen ist bei einem Stammkorb nicht ganz einfach. Da hängen manchmal mehr Leute dran, als auf der Buchung stehen.«

»An diesem hier«, sagte Wiebke Carstens, und jetzt lag in ihrer Stimme etwas Bitteres, das Marit erst viel später verstehen würde, »hängt genau ein Mensch zu viel.«

Sie sagte nicht, wen sie meinte. Und über dem Wasser, weit hinter der Mole, hätte man, wenn man hingesehen hätte, die frühe Fähre ausmachen können, die von Holmsiel her näher kam, langsam und pünktlich, wie sie es seit vierzig Jahren tat. Aber Marit sah nicht hin, weil sie schon den Kaffee im Sinn hatte, und so wusste sie an diesem Morgen noch nicht, dass der eine Mensch zu viel bereits unterwegs war.

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Häufige Fragen

Worum geht es in »Sommergäste in der Strandkorbwerkstatt«?

Der Sommer kommt nach Fehnholm wie die Flut — auf einmal und mit hundert Gesichtern. Marit Feddersen hat ihren ersten Frühling auf der kleinen Nordseeinsel überstanden, die Werkstatt läuft, die einhundertzwölf Strandkörbe stehen offen im Licht. Doch mit der Hochsaison kommen nicht nur Gäste. An Korb dreiundsechzig, dem

Von wem ist »Sommergäste in der Strandkorbwerkstatt«?

»Sommergäste in der Strandkorbwerkstatt« ist ein Buch von Andreas Reis.

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An welcher Stelle der Reihe steht »Sommergäste in der Strandkorbwerkstatt«?

Es ist Band 2 der Reihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm«.

Gibt es eine Leseprobe zu »Sommergäste in der Strandkorbwerkstatt«?

Ja. Das komplette erste Kapitel »Kapitel 1« steht hier kostenlos zum Lesen und als Hörprobe zum Anhören.

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