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Hochzeit auf Fehnholm

Cover: Hochzeit auf Fehnholm

Ein Nordsee-Roman über einen langen Sommer, ein Fest am Meer und ein Geheimnis, das endlich erzählt werden will

Deutsch Band 5 der Reihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm« von Andreas Reis.

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Worum es geht

Ein Jahr ist vergangen, seit Marit Feddersen mit einem Möbelwagen voller Werkzeug auf die kleine Nordseeinsel Fehnholm übersetzte — und aus der Fremden ist längst eine Insulanerin geworden. Die Werkstatt trägt sich, das Dorf trägt sie, und der wortkarge Bootsbauer Ole hat einen Satz begonnen, den er endlich zu Ende bringen will.

Im Frühsommer, wenn die Strandkörbe wieder in Fehnholmer Blau am Weststrand stehen, wirft ein Fest seine Schatten voraus. Doch während die Insel schmückt, plant und backt, lässt Marit eine Sache keine Ruhe: ein Platz am Dünenrand, den sie jeden Morgen freiharkt, ohne zu wissen, für wen. Ein Korb ohne Nummer, den zwei Paar Hände gebaut haben und den nie jemand am Wasser gesehen hat. Und eine alte Geschichte der Werkstatt, die erzählt werden möchte, ehe der längste helle Tag des Jahres kommt.

Manche Dinge repariert man. Manche hält man einfach frei — so lange, bis jemand kommt, der sie versteht.

Der fünfte und abschließende Band der Wohlfühlreihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm« — warmherzig, sinnlich und voller Salz, Holz und Herz. Der Kreis der Jahreszeiten schließt sich.

Auf einen Blick

Reihe
Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm, Band 5
Umfang
267 Seiten (Taschenbuch)
Ausgaben
Kindle, Paperback
Sprache
Deutsch
Autor
Andreas Reis
Leseprobe
Kapitel 1 vollständig, kostenlos

Hörprobe: Kapitel 1 zum Anhören

Das komplette erste Kapitel, ungekürzt vorgelesen (12:19 Minuten). Die Aufnahme nutzt eine synthetische Stimme.

Leseprobe: Kapitel 1

Das erste Kapitel in voller Länge (1976 Wörter) - kostenlos lesen, ohne Anmeldung.

%% PART: Erster Teil — Der zweite Sommer # Der zweite Frühsommer

Die Harke lag ihr in der Hand, als hätte sie immer dort gelegen, und Marit Feddersen zog sie durch den Sand, ehe die Sonne über den Deich kam.

Es war ein schmales Rechteck, das sie glatt zog, nicht größer als ein Strandkorb, und es stand kein Korb darin. Am Dünenrand, wo der Strandhafer aufhörte und der blanke Sand begann, harkte sie einen leeren Platz, so wie sie es an jedem ersten Saisontag tat, seit einem Jahr, und so wie eine Frau es sechzig Jahre lang vor ihr getan hatte, die Marit ein einziges Mal im Leben getroffen hatte. Die Zinken zogen ihre feinen, ordentlichen Linien, das Rechteck lag da wie ein gedeckter Tisch ohne Gäste, und Marit hätte, wenn jemand sie gefragt hätte, nicht sagen können, warum sie es tat.

Niemand fragte. Um diese Zeit fragte nur der Wind, und der fragte alle dasselbe.

Sie richtete sich auf und sah den Strand hinunter. Ein Jahr. In langen Reihen standen sie da, die Körbe, einhundertelf an der Zahl, keiner mehr unter grauen Winterplanen, keiner mehr eingewintert und wund. Sie standen aufgerichtet und aufgeräumt im ersten Licht, frisch bespannt, das Geflecht nachgezogen, und über die ganze Länge des Strandes leuchtete das Blau ihrer Markisen, ein tiefes, warmes Blau mit schmalen weißen Streifen. Fehnholmer Blau. Das Meer an einem sehr guten Tag.

Vor einem Jahr hatte sie hier gestanden und gerechnet: die Reparaturen, das Material, die Wochen bis zur Saison. Heute rechnete sie nicht. Das war das Erstaunliche, das sie noch immer verblüffte, wenn sie es bemerkte: dass die Angst gegangen war und etwas an ihre Stelle getreten war, für das sie kein Wort hatte, das aber morgens sehr früh am deutlichsten war.

Ein Jahr. Es klang lächerlich kurz für alles, was hineingepasst hatte. Sie war als Fremde gekommen, mit einem Möbelwagen, einer Tochter und einem Satz von einer Toten, den ihr keiner hatte abnehmen wollen. Jetzt grüßte das Dorf sie mit Namen, ehe sie den Mund aufmachte. Thees nahm sie längst nicht mehr wie einen Fahrgast an Bord, sondern wie etwas, das zur Fähre gehörte. Gesa schnitt ihr die Haare und erzählte dabei die halbe Insel. Und Lene, die im ersten Herbst noch um ihr altes Zimmer und ihre alte Freundin geweint hatte, kam inzwischen mit sandigen Knien und drei neuen Wörtern für Wind nach Hause und sagte ganz selbstverständlich hier, wenn sie Fehnholm meinte.

Marit hängte die Harke an den Haken am Dünenaufgang, wo sie hing, seit sie auf der Insel war, und sah noch einmal den Strand hinunter. Die schlafende Kompanie von damals war eine wache geworden. Bald würden die ersten Gäste kommen und ihre Nummern verlangen wie Logenplätze, und sie würde die Namen zu den Nummern kennen und die Geschichten zu den Namen. Nur an einer Nummer hing kein Gast, an keiner Nummer hing so viel Schweigen wie an dieser einen.

* * *

In der Werkstatt roch es nach Kaffee, ehe sie die Tür ganz auf hatte.

»Moin«, sagte Svenja, ohne aufzusehen. Sie stand am Verleihpult, das seit einem Jahr nicht mehr aussah wie ein Schlachtfeld, sondern wie das Pult einer Frau, die weiß, wo alles liegt, und die es niemandem verzeiht, wenn er es woanders hinlegt. Vor ihr lagen die Vorbestell-Karten der Woche, aufgefächert wie ein Kartenspiel. »Korb neun will wieder seine alte Nummer, obwohl der Herr weiß, dass sie seit April jemand anderem gehört. Ich hab ihm geschrieben, dass Treue eine schöne Sache ist, aber keine Reservierung.«

»Und?«

»Er kommt trotzdem. Sie kommen immer trotzdem.« Svenja schob eine Karte zurück ins Fach. In der Kaffeekasse daneben lag, wie an jedem Monatsanfang, ein paar Münzen zu viel, und beide Frauen taten seit Monaten, als bemerkten sie es nicht. Es war eine der leiseren Wahrheiten der Insel, dass ein Dorf, das angeblich nur ans Geld dachte, seine Schulden heimlich in einer Blechdose beglich.

Hinten an der langen Werkbank stand Hannes und zeigte einem Jungen, wie man eine Weide wässert, ehe man sie biegt. Der Junge war vielleicht vierzehn und tat, als langweile ihn alles, und Hannes, der vor einem Jahr genauso im Tor gelehnt hatte, tat, als bemerke er die Langeweile nicht, und flocht weiter, ruhig, im Takt. Er hatte Schlagzeug im Blut, hatte er einmal gesagt, und Flechten hatte einen Rhythmus, und irgendwann würde der Junge das hören. Marit sah es und sagte nichts. Man gab Arbeit, nicht Anweisungen. Das hatte sie hier gelernt, unter anderem.

Auf dem kleinen Tisch am Fenster lag Lenes Korb-Archiv aufgeschlagen, der Karteikasten mit den Karten in Kinderschrift, inzwischen um einen zweiten Kasten erweitert, weil einer nicht mehr reichte. Lene selbst schlief noch. Zehn war sie jetzt, seit Februar, und schlief morgens wie jemand, der abends zu viel zu erzählen gehabt hatte.

Marit nahm sich einen Becher aus dem Regal. Es war ein weißes Steingut mit einem Sprung im Henkel, den vor Jahren jemand mit Zwei-Komponenten-Kleber geflickt hatte, weil man Dinge nicht wegwarf, nur weil sie einen Riss hatten. Feddersen Holz & Hand hatte einmal daraufgestanden. Den Schriftzug gab es nicht mehr, die Werkstatt in Hamburg gab es nicht mehr, den Becher gab es noch, und er stand hier zwischen Almas Tassen, als hätte er immer hier gestanden.

Ein Schatten fiel durchs Tor. Sie kannte den Schritt, ehe sie ihn sah.

»Die Leisten sind da«, sagte Ole. Er stellte den Stapel Eichenholz an die Wand, ohne den Boden zu berühren, wie man Holz eben abstellt, das man achtet, und in der anderen Hand hielt er zwei Becher Kaffee vom Hafen. Er stellte einen davon neben ihren, ohne ein Wort, und Marit sah die zwei Becher nebeneinander stehen und dachte, dass es solche kleinen Sätze waren, die niemand aussprach und die trotzdem jeder auf der Insel verstand.

»Danke«, sagte sie.

»Für die Leisten oder den Kaffee?«

»Beides.«

Er nickte, als sei das eine ausreichend genaue Antwort, und sah einen Moment lang aus dem Tor auf den Strand hinaus, wo die Reihen im Frühlicht standen. Ole redete wenig, und wenn, dann über Holz, über Wetter, über die Boote der Seenotretter, die er im Griff hatte wie andere ihre eigene Hand. Über das Andere redete er gar nicht. Seit dem Winter war das Andere zwischen ihnen, unbenannt und selbstverständlich, ein Kaffee, der morgens dastand, ein Werkzeug, das an seiner Wand hing, und einmal, an einem sehr kalten Abend, ein Satz, der beinahe zu Ende gegangen wäre.

Er setzte an, jetzt, sie sah es an seiner Schulter. Dann trank er stattdessen einen Schluck Kaffee, und der Satz blieb, wo er seit einem Jahr lag, greifbar und ungesagt, wie ein Werkstück, das fertig ist und trotzdem noch auf der Bank liegt, weil man es noch nicht aus der Hand geben mag.

»Ich fahr raus«, sagte er nach einer Weile. »Bis später.«

»Bis später.«

Und dann war er weg, und Marit stand mit zwei Bechern und einer Werkstatt voller Morgenlicht und wusste nicht, ob sie über sich selbst lächeln oder den Kopf schütteln sollte, dass zwei erwachsene Menschen ein ganzes Jahr an einem einzigen Satz bauen konnten.

* * *

Am Abend, als der Verleih geschlossen war und Lene bei Imkes Nichte übernachtete, stieg Marit auf den Dachboden.

Sie tat es nicht oft. Der Dachboden war Almas Lager gewesen, sechzig Jahre Ersatzteile, Geflechtrollen, Stoffballen, alles beschriftet in einer Handschrift, die nie hastig geworden war. Aber ganz hinten, unter dem Schrägdach, wo im Sommer die Wärme stand und im Winter der Frost, stand etwas, das kein Ersatzteil war und in keine Liste passte, und Marit hatte es an einem der kürzesten Tage des vergangenen Winters gefunden, unter einem Tuch, das sich anfühlte, als sei es lange nicht bewegt worden.

Sie zog das Tuch ab.

Es war ein Strandkorb. Der feinste, den sie je gesehen hatte, und sie hatte in einem Jahr sehr viele gesehen. Das Geflecht war Almas, das erkannte Marit inzwischen im Dunkeln, an der Art, wie die Ruten sich schlossen. Aber das Gestell, das Bugholz, die Art, wie die Lehne geschwungen war — das war eine andere Handschrift, eine ältere, eine, die Boote kannte. Zwei Hände hatten an diesem Korb gearbeitet, und die Muster verschränkten sich, als hätten die beiden gewusst, wo der andere aufhören würde.

Und das Blau. Es war Fehnholmer Blau, und es war es doch nicht. Ein tieferer Ton, die Streifen eine Spur schmaler, ein Muster, das Marit in keinem der einhundertelf Körbe am Strand gesehen hatte und in keiner Bestellliste. Ein Blau, das es nur ein einziges Mal gegeben hatte.

Der Korb trug keine Nummer. Alle trugen sie, von eins bis hundertzwölf, jeder sein Kärtchen am Rahmen, jeder sein Datum, sein Kürzel, seine Geschichte in Almas Schrift. Nur dieser hier trug nichts. Er war nie am Strand gewesen. Er war nie bewettert worden, kein Salz hatte ihn je berührt, kein Gast hatte je in ihm gesessen. Er war fertig und heil und stand seit — Marit wusste nicht, wie lange — im Dunkeln unter einem Tuch.

Es roch hier oben nach trockenem Holz und altem Leinöl, nach Staub, der sich seit Jahren nicht gerührt hatte. Durch die Dielen hörte sie das Meer, wie man auf der ganzen Insel immer das Meer hörte, einen Grundton, an den man sich so gewöhnte, dass er erst fehlte, wenn man aufs Festland fuhr. Sie strich mit dem Daumen über das schmale Blau der Bespannung, das keiner Verleihliste gehörte. Wer webt einen Stoff nur ein einziges Mal, dachte sie, und näht ihn in einen Korb, den niemand sehen soll?

In der Verleihliste, ganz vorn, zwischen Korb dreiundvierzig und Korb vierundvierzig, wo es sich einordnete, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, stand eine Zeile, älter als alle anderen, jedes Jahr nachgezogen mit frischer Tinte: Korb 0. Dauervergeben. Kein Entgelt.

Marit legte die Hand auf die Lehne, wie sie vor einem Jahr die Hand auf Almas Hobelbank gelegt hatte. Das Holz war glatt und kühl und wartete.

Sie hatte in diesem einen Jahr gelernt, mit fast allem umzugehen, was Alma ihr hinterlassen hatte. Sie kannte die Namen zu den Nummern und die Geschichten zu den Namen, sie harkte einen leeren Platz frei, ohne zu wissen für wen, sie führte einen Korb in ihrer Liste, den es am Strand nicht gab. Man konnte damit leben. Man konnte um eine leere Stelle herumarbeiten, so wie man um einen Ast im Holz herumarbeitete, den man nicht ausbohren wollte.

Aber sie stand kurz davor, an genau diesem Strand zu heiraten. Sie wusste es, seit dem Winter wusste sie es, auch wenn noch kein Satz zu Ende gesprochen war. Und sie merkte, während sie hier oben stand, die Hand auf einem Korb, den zwei Menschen für niemanden gebaut zu haben schienen, dass sie es dieses Jahr nicht mehr würde stehen lassen können. Dass man kein ganzes Ja sagen kann, solange in dem Leben, zu dem man Ja sagt, ein Zimmer verschlossen bleibt und ein Platz leer.

Für wen, dachte sie. Für wen hast du gebaut, Alma, und für wen harke ich jeden Morgen einen Tisch, an dem niemand sitzt.

Sie deckte das Tuch nicht wieder ganz zurück. Sie ließ die Lehne frei, als sei der Korb kein Geheimnis mehr, sondern etwas, das bald gebraucht würde, und stieg die schmale Treppe wieder hinunter, in die Werkstatt, wo die zwei Becher noch nebeneinander auf der Bank standen und der Abend blau in den Oberlichtern hing.

Draußen, am Dünenrand, lag ihr geharktes Rechteck im letzten Licht, leer und ordentlich, die einzige Lücke in einem Strand, der endlich wieder voll war.

Dieses Mal, dachte Marit, gehe ich hin und frage. Nicht das Dorf. Aber irgendwen.

Sie schloss ab, und das Vorhängeschloss klackte satt und geölt, so wie es an ihrem allerersten Tag geklackt hatte, für eine Frau, die schon tot war, oder für die, die kommen würde. Der zweite Sommer hatte angefangen. Und diesmal, das spürte sie bis in die Hände, würde er eine Frage stellen, die der erste ihr offengelassen hatte.

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Es ist Band 5 der Reihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm«.

Gibt es eine Leseprobe zu »Hochzeit auf Fehnholm«?

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