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Dieses Feld bitte nicht ausfüllen

Cover: Dieses Feld bitte nicht ausfüllen

Ein aktenkundiger Multiversumsroman

Deutsch Band 3 der Reihe »Ordnungsamt des Multiversums« von Andreas Reis.

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Worum es geht

Eine Meldung geht ein, wie Leo Vogt sie noch nie gelesen hat: »Person im Umfeld auffällig verändert. Plötzlich zu gut.« Kein Verbrechen. Keine Bedrohung. Nur Menschen, die auf einmal makellos werden — vollständig, fehlerfrei, glücklich — und dabei aufhören, sie selbst zu sein.

In einer fremden, engen Handschrift füllt sich ein leeres Feld von selbst aus. Die Spur führt nicht ans Meer, sondern hinauf in ein Schiefergebirge, in eine kleine Stadt, in der eine Behörde die Wirklichkeit nicht nach Datum verwaltet, sondern nach Gesteinsschicht — und in der eine Lage Stein liegt, die zu sauber ist, um echt zu sein.

Also packen Leo, seine chaosbegabte Tante Elara, der wortkarge Beamte Eberle, die Buchhändlerin Miriam — und ein Toaster, der gerade Maßhalten übt — das halbe Ordnungsamt zusammen und fahren bergauf. Diesmal wartet kein Drache und kein schwarzes Loch, sondern etwas viel Höflicheres: jemand, der anbietet, jedes Leben endlich fehlerfrei für einen zu schreiben.

Der dritte Fall der Reihe »Ordnungsamt des Multiversums« — leise, warmherzig, mehr Herz als Action: eine schräge Komödie über Behörden-Bürokratie tief im Stein, drei grundverschiedene Amtskulturen, ein Archiv, das einmal gebrannt hat, und die mutigste aller Amtshandlungen: ein Feld bewusst leer zu lassen.

Auf einen Blick

Reihe
Ordnungsamt des Multiversums, Band 3
Umfang
485 Seiten (Taschenbuch)
Ausgaben
Kindle, Paperback
Sprache
Deutsch
Autor
Andreas Reis
Leseprobe
Kapitel 1 vollständig, kostenlos

Hörprobe: Kapitel 1 zum Anhören

Das komplette erste Kapitel, ungekürzt vorgelesen (18:04 Minuten). Die Aufnahme nutzt eine synthetische Stimme.

Leseprobe: Kapitel 1

Das erste Kapitel in voller Länge (2653 Wörter) - kostenlos lesen, ohne Anmeldung.

%% PART: Teil Eins — Das leere Feld # Vorgang eröffnet

Es gab inzwischen für fast alles ein Formular, und genau das war der Grund, warum Leo Vogt an diesem Morgen als Erstes misstrauisch wurde.

Nicht, weil eines fehlte. Sondern weil keines fehlte.

Er saß seit halb sieben am Werkbanktisch, vor sich die Suchliste, den Kaffee und das Klemmbrett, und stellte fest, dass er in den letzten vier Wochen so etwas wie eine Verwaltung aufgebaut hatte, die funktionierte. Es gab einen Vordruck für die Rückführung eines Gestrichenen. Es gab einen für die vorläufige Haltung eines noch nicht Rückführbaren. Es gab, seit Eberle drei Tage zuvor in einen Zustand stiller Begeisterung geraten war, sogar einen Vordruck für die Beantragung eines neuen Vordrucks, und Leo hatte aufgehört, das komisch zu finden, was er als das beunruhigendste Symptom von allen verbuchte.

Ein haarfeiner Riss hatte sich um Viertel nach sechs über dem Maschinenraum der alten Halle geöffnet. Leo hatte ihn geschlossen, bevor der Kaffee durchgelaufen war — zwei Sätze, ein Formular, ein Häkchen. Er hatte dabei nicht einmal aufgestanden.

Das, dachte er, war Wachstum. Oder das Gegenteil. Bei ihm war der Unterschied selten auf den ersten Blick zu erkennen.

»Ich möchte zu Protokoll geben«, brummte der Kühlschrank aus der Werkstattecke, »dass die Reichweite des Haushalts seit der Anbindung des Nordens spürbar gestiegen ist und ich mich in meiner Bedeutung bestätigt fühle.«

»Sprechzeit ist um siebzehn Uhr«, sagte Leo, ohne aufzusehen.

»Es ist keine Beschwerde. Es ist eine positive Standortbestimmung.«

»Die zählt trotzdem als Wortmeldung.«

»Ich notiere das als Einschränkung meiner Mitwirkungsrechte.«

»Tu das. Es gibt ein Formular dafür.«

Der Kühlschrank dachte darüber nach, was man daran erkannte, dass sein Kompressor eine Tonlage tiefer ging und für einen Moment klang wie ein Beamter, der gerade beschlossen hat, einen Dienstweg auszusitzen.

***

Auf der Werkbank, zwischen dem Honigglas, das Eberle nach wie vor mit der Wachsamkeit eines Mannes betrachtete, der jederzeit mit einem Antrag rechnete, und einer Schale Wasser für Karo und Nulli, stand das Funkgerät.

Es war hässlich, es brummte, und es trug auf der Seite ein Stück Tape, auf dem in Elaras Schrift stand: **FUNK. NICHT VERSTELLEN.** Aus ihm kam, leise und küstenruhig und mit der Verzögerung von sechshundert Kilometern und zwei Behördenkulturen, die Stimme einer Frau, die das Reden lange nicht geübt hatte und gerade wieder anfing.

»Bei uns ist Niedrigwasser«, sagte Almut. »Das Register ist auf. Über Nacht nichts Neues. Die Möwe hat den Haken wieder angefochten, aber das tut sie jeden Morgen, das ist inzwischen mehr Andacht als Einspruch.«

»Verstanden«, sagte Leo. »Hier auch ruhig. Ein Riss über dem Maschinenraum, geschlossen. Sonst nichts.«

Eine Pause, in der man den Wind hören konnte, der dort oben breiter war und nichts persönlich nahm.

»Du sagst ›sonst nichts‹, als ob es dich stört«, sagte Almut.

»Es stört mich nicht.«

»Es stört dich«, sagte Almut, und es war keine Frage, sondern die ruhige Feststellung einer Frau, die jahrelang an einem Pult gesessen und Namen gesammelt hatte und deshalb wusste, wie Stille klang, wenn jemand auf etwas wartete. »Ich kenne das. Ruhe fühlt sich für unsereins an wie eine Rechnung, die noch nicht gekommen ist.«

Leo erwiderte nichts, was Antwort genug war.

Aus dem Funkgerät kam ein knappes Geräusch, das Leo inzwischen als Ubben gelernt hatte, gefolgt von einem einzelnen Wort, das bei Ubben einen vollständigen Lagebericht darstellte.

»Moin.«

»Moin«, sagte Leo zurück, und es fühlte sich noch immer an wie eine Vokabel in einer Sprache, die er erst zur Hälfte beherrschte.

***

Der Hof zwischen Werkstatt und Ankerhaus erwachte in der Reihenfolge, die er sich selbst zugelegt hatte.

Zuerst die Tauben. Sie versammelten sich kurz nach sechs auf dem Dach zur Frühlage, bei der die selbsternannte Vorsitzende der temporalen Verwaltungseinheit — die mit der Papierkrawatte — einen Tagesordnungspunkt vortrug, den niemand verstand und gegen den deshalb niemand Einspruch erhob. Seit der Rückkehr aus dem Norden gab es in ihrer Sitzordnung einen Platz, der demonstrativ frei blieb, und einen zweiten, der es seit Neuestem ebenfalls tat, was Eberle unter *Erweiterungsbestrebungen, Beobachtung ohne Alarmstufe* notiert hatte.

Dann Eberle, der zur selben Minute eintraf wie jeden Tag, weil Pünktlichkeit für ihn kein Vorsatz war, sondern ein Aggregatzustand. Er kontrollierte als Erstes die drei Stapel neben seiner Tasse.

Oben auf dem ersten, in eckiger Amtsschrift: **Offene Suchliste Göppingen — nicht abgeschlossen.** Einundvierzig Einträge, mehr durchgestrichen als noch vor Wochen, jeder Strich mit einem Häkchen, jedes Häkchen ein Mensch.

Auf dem zweiten, etwas zögerlicher: **Außenstelle Nordsee — vorläufig gehalten.** Neun Namen, geführt unter einer Fallklasse, die Eberle an der Küste selbst erfunden hatte und mit der stillen Genugtuung eines Mannes trug, der einmal in seinem Leben nicht eine Vorschrift angewendet, sondern eine gemacht hatte.

Es gab keinen dritten Stapel. Leo bemerkte, dass Eberle jeden Morgen kurz auf die leere Stelle neben dem zweiten sah, dort, wo ein dritter liegen könnte, und dass er nicht sagen konnte, ob Eberle das beruhigte oder beunruhigte.

Dann Miriam, die nie ankam, sondern einfach irgendwann da war, ein Buch unter dem Arm und einen Blick, der halb in der Welt und halb in einem Satz steckte. Sie hatte an die Wand neben die Tafel eine Landkarte gehängt, auf der zwei Punkte mit einem dünnen roten Faden verbunden waren — einem Faden, der ein wenig heller war als gewöhnliches Garn, weil er aus Hannas Schal stammte und einmal ein Mensch gewesen war, bevor er gelernt hatte, eine Strecke zu halten.

Und schließlich Elara, die nicht erwachte, sondern aus dem Schlaf auftauchte wie ein Gerät, das man versehentlich angelassen hatte, mit Lötkolbenspuren am Ärmel und der festen Überzeugung, sie habe nur kurz die Augen geschlossen.

»Guten Morgen, Projektleiter«, sagte sie und ließ sich auf den Hocker neben ihm fallen. »Du machst dein Gesicht.«

»Ich mache kein Gesicht.«

»Du machst das Gesicht, das du machst, wenn vier Wochen lang nichts explodiert ist und du das für eine Drohung hältst.« Sie nahm sich ein Brötchen, das jemand geholt hatte, statt es zu materialisieren, und betrachtete es kurz, als schulde es ihr eine Erklärung. »Ich teile die Sorge übrigens. Stille ist der Aggregatzustand, in dem Maschinen am liebsten kaputtgehen.«

Der Toaster, der auf seinen kleinen Beinchen am Tischrand stand, zeigte auf seinem Display eine einzelne Zeile, mit der zurückhaltenden Würde eines Geräts, das an sich arbeitete:

**ICH ÜBE MASSHALTEN.**

»Brav«, sagte Leo.

Der Toaster zeigte nichts weiter, was bei ihm der höchste erreichbare Grad an Selbstbeherrschung war.

***

Es geschah um zwanzig vor neun, und es geschah leise, wie die meisten Dinge, die wirklich etwas bedeuteten.

Leo füllte einen Vordruck aus. Es war der Routine-Vordruck für den geschlossenen Riss von heute Morgen, ein gelbes Blatt mit nummerierten Feldern, von denen Eberle behauptete, jedes einzelne sei rechtlich notwendig, und von denen Leo vermutete, dass mindestens drei nur existierten, damit das Blatt sich vollständig anfühlte. Er trug das Aktenzeichen ein, die Uhrzeit, die Art des Schadens. Er kam zu Feld neun, *Bemerkungen*, das er wie immer leer ließ, weil ein geschlossener Riss keine Bemerkungen verdiente, und ging weiter zu Feld zehn.

Dann sah er zurück auf Feld neun.

Es war nicht mehr leer.

In dem schmalen weißen Rechteck stand jetzt eine Zeile, die er nicht geschrieben hatte, in einer Handschrift, die nicht seine war — eng, schräg, gleichmäßig, mit der ruhigen Sicherheit von jemandem, der seit langer Zeit nichts mehr durchgestrichen hatte.

*Hier wäre Platz für eine bessere Fassung.*

Leo saß sehr still.

Er war ein Mensch, der vor leeren Feldern größere Angst hatte als die meisten Menschen vor vollen, weil ein leeres Feld eine Entscheidung verlangte. Aber das hier war das Gegenteil von leer. Das hier war ein Feld, das jemand für ihn ausgefüllt hatte, freundlich, unaufgefordert, ohne zu fragen, und Leo stellte fest, dass ihm das deutlich mehr Angst machte.

Die silberne Narbe in seiner rechten Handfläche begann zu ziehen. Nicht alarmiert. Eher wie ein altes Wetterglas, das fühlt, dass sich etwas dreht.

»Eberle«, sagte er, und seine Stimme war ruhiger als sein Puls. »Komm her und sag mir, dass ich das geschrieben habe.«

Eberle kam, sah auf das Blatt und wurde auf eine Weise reglos, die Leo in vier Wochen erst zweimal an ihm gesehen hatte. Er hob das gelbe Blatt mit beiden Händen, hielt es ins Licht, drehte es um, betrachtete die Rückseite, an der nichts war, und legte es wieder hin, sehr vorsichtig, so wie man etwas hinlegt, von dem man nicht weiß, ob es schläft.

»Das ist nicht Ihre Handschrift«, sagte er.

»Ich weiß.«

»Es ist auch nicht meine.«

»Das wäre auch eine schlechtere Nachricht gewesen.«

»Es ist niemandes«, sagte Eberle, und dann, leiser, weil er ein Mann war, dem das nächste Wort sichtlich Mühe bereitete: »Es ist eine fremde Eintragung in einem amtlichen Vordruck. Das ist —« Er suchte nach der Kategorie, in die das Entsetzen gehörte. »— eine Urkundenfälschung. Mindestens.«

»Ich glaube nicht, dass es ihn interessiert, was es mindestens ist«, sagte Miriam.

Sie war neben sie getreten, lautlos, das Buch noch unter dem Arm, und sah auf die Zeile. Sie hatte eine Art, vor wichtigen Sätzen kurz innezuhalten, als läse sie sie sich erst selbst vor, bevor sie sie hergab.

»Wir kennen diese Handschrift«, sagte sie.

Und das stimmte. Leo hatte sie schon einmal gesehen, vor vier Wochen, am anderen Ende der Republik, in der Stimme eines Funkgeräts vorgelesen von einer Frau, die am Wasser saß. *Ein leeres Feld ist eine Einladung.* Damals war es eine Zeile auf einem Pult gewesen, neben einer zerbrochenen Feder. Jetzt war es eine Zeile in einem Feld, das Leo selbst eine Minute zuvor frei gelassen hatte, weil er es nicht hatte ausfüllen wollen.

Jemand hatte beschlossen, dass das nicht zulässig war.

***

Sie versammelten sich am Werkbanktisch, weil sich am Werkbanktisch alles versammelte, was in dieser Familie wichtig war.

Elara holte aus der Schürze die goldene Brille — dieselbe, die einmal einer konsolidierten, fehlerfreien Version ihrer selbst gehört hatte und mit der man inzwischen die schönen Lügen anderer Leute aufspürte, weil man die eigene überlebt hatte. Sie setzte sie nicht auf. Sie hielt sie nur über das gelbe Blatt, in einigem Abstand, wie man eine Hand über eine Herdplatte hält, von der man wissen will, ob sie noch heiß ist.

Die Brille glühte. Matt, golden, ungern.

»Na großartig«, sagte Elara.

»Was heißt das?«, fragte Leo.

»Es heißt, dass diese Zeile nicht nur jemand geschrieben hat.« Sie ließ die Brille sinken. »Es heißt, dass sie *geschrieben* ist. Im technischen Sinne. So wie ein Falschanker eine schöne Lüge ist, ist das hier — eine Korrektur. Etwas, das anbietet, etwas anderes zu ersetzen.« Sie sah auf das Wort *bessere*. »Die Brille glüht bei schönen Lügen. Sie glüht auch hier. Das gefällt mir nicht, weil es bedeutet, dass das, was an der Küste angefangen hat, nicht an der Küste geblieben ist.«

»Es ist hier«, sagte Eberle.

»Es ist *näher*«, sagte Elara. »Was etwas anderes ist und schlimmer.«

Über ihnen, am Rand des Himmels, lag das, was Leo sich angewöhnt hatte, nicht anzusehen.

Über Göppingen die violette Narbe, dünn, ein alter Riss, in dem Entscheidungen gespeichert waren wie Tinte unter Haut, mit einem kleinen dunklen Punkt, der das Höchste an Frieden war, das diese Stadt zu bieten hatte. Weit im Norden, kaum zu sehen bei Tag, die grüne, mit einem Symbol, das sich vor vier Wochen geöffnet hatte wie ein Mund vor einem Satz.

Und dazwischen, am Rand von beidem, dort, wo der Himmel eigentlich nichts zu melden hatte, ein dritter Schimmer.

Er war hell. Fast farblos. Weder violett noch grün, sondern wie die Stelle auf einem Blatt Papier, an der jemand etwas weggewischt hatte und gleich etwas Neues schreiben würde. Eberle hatte ihn beim letzten Mal benannt, und der Name war geblieben, weil er der genaueste war, den jemand hatte finden können.

Ein Freiraum.

Die Stelle in einem Formular, die noch nicht ausgefüllt war.

Leo hatte vier Wochen lang gehofft, dass sie leer bliebe. Er begriff jetzt, dass das eine naive Hoffnung gewesen war, denn ein leeres Feld, das hatte ihm die Zeile auf seinem gelben Blatt soeben mitgeteilt, war für manche keine Ruhe, sondern eine offene Rechnung.

***

Das Klemmbrett piepte.

Es piepte selten, weil Leo es so eingestellt hatte, dass es nur piepte, wenn es ernst war, und weil ernst in den letzten vier Wochen eine Seltenheit gewesen war. Jetzt piepte es zweimal, kurz, fast entschuldigend, und auf dem Display stand eine Adresse und ein Satz, den das Gerät aus den eingehenden Meldungen automatisch verdichtet hatte, und den Leo zweimal lesen musste, bevor er ihn verstand.

**MELDUNG BÜRGER: PERSON IM UMFELD AUFFÄLLIG VERÄNDERT. BESCHREIBUNG: ›PLÖTZLICH ZU GUT‹.**

»Das«, sagte Leo langsam, »ist keine Schadensmeldung, die ich kenne.«

»Was steht da?«, fragte Elara.

»Jemand meldet, dass eine Person in seiner Nähe — zu gut geworden ist.« Leo sah auf. »Nicht krank. Nicht gestrichen. Nicht verschwunden. Zu gut.«

Es wurde still am Tisch.

»Das«, sagte Miriam, »ist die unheimlichste Beschwerde, die ich je gehört habe.«

»Ich finde sie nicht unheimlich«, sagte der Kühlschrank aus der Ecke. »Ich finde sie nachvollziehbar. Wenn jemand in meiner Nähe plötzlich zu gut funktionierte, würde ich das ebenfalls melden. Aus Prinzip.«

»Niemand hat dich gefragt«, sagte Leo.

»Sprechzeit ist um siebzehn Uhr«, sagte der Kühlschrank, mit der unverkennbaren Befriedigung eines Geräts, das eine Vorschrift gegen ihren Urheber gewendet hatte, und Leo ließ es gelten, weil er gelernt hatte, dass man nicht jeden Kampf führen musste.

Eberle hatte bereits einen leeren Bogen vor sich gezogen und einen Stift in der Hand. Er sah Leo an, und in seinem Gesicht war nicht Angst — Eberle hatte keine Angst vor Veränderungen, Eberle hatte Angst vor Zuständigkeit —, sondern eine Frage, die er in vier Wochen Netzwerk gelernt hatte zu stellen, statt sie zu vertagen.

»Fahren wir hin?«, fragte er.

Leo sah auf das gelbe Blatt mit der fremden Zeile. Auf die Brille, die ungern golden glühte. Auf die Karte mit den zwei Punkten und dem roten Faden. Auf den dritten, hellen Schimmer am Rand des Himmels, der weder drohte noch versprach, sondern einfach offen war, wie ein Feld, das ausgefüllt werden wollte und noch nicht wusste, von wem.

Vor vier Wochen hatte ihm jemand einen Brief geschrieben, und sie hatten ihn drei Wochen liegen lassen. Er hatte sich geschworen, dass das nicht wieder geschah.

»Wir fahren hin«, sagte er. »Heute. Bevor das Frühstück kalt wird, fahren wir noch nicht — aber heute.« Er nahm den Stift und zog den leeren Bogen vor Eberle zu sich heran. »Und diesmal warten wir nicht, bis jemand entscheidet, wer wir sind.«

Er schrieb in das oberste Feld, dorthin, wo ein Aktenzeichen hingehörte, sorgfältiger als nötig.

Dann reichte er Eberle den Stempel.

Eberle hob ihn, mit der Feierlichkeit eines Mannes, der eine ruhige Epoche für beendet erklärte, und senkte ihn nicht auf eine Vertagung, sondern auf den Bogen, oben links.

**VORGANG ERÖFFNET. ZUSTÄNDIG: NETZWERK.**

Aus dem Funkgerät, sechshundert Kilometer entfernt, kam das winzige, trockene Geräusch eines viel zu kleinen Bleistifts, der irgendwo am anderen Ende der Republik einen Haken machte.

»Passt«, sagte Ubben.

Und dann, heller, jünger, schon halb im Laufen, weil sie offenbar danebengestanden und mitgehört hatte, Fennas Stimme:

»Soll ich es ins Register eintragen? Unter welchem Wasserstand?«

Leo sah auf die fremde Zeile in Feld neun. *Hier wäre Platz für eine bessere Fassung.* Er dachte daran, dass jemand das geschrieben hatte, freundlich, ohne zu fragen, in ein Feld, das er selbst hatte frei lassen wollen, und dass irgendwo nicht weit von hier ein Mensch gerade zu gut geworden war, und dass das beides dasselbe war.

»Trag es ein«, sagte er. »Unter offen.«

Über Göppingen lag die violette Narbe, still. Im Norden lag die grüne, ruhig, mit einem Symbol, das sich öffnete. Und dazwischen lag der helle Freiraum und wartete darauf, beschrieben zu werden.

Aber diesmal, dachte Leo und legte das Klemmbrett aus der Hand, wartete er nicht allein. Und diesmal warteten sie nicht.

Das war, wie sich herausstellen würde, genau die richtige Entscheidung und kam trotzdem zu spät, aber das wussten sie an diesem Morgen noch nicht, und vielleicht war das auch besser so.

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Von wem ist »Dieses Feld bitte nicht ausfüllen«?

»Dieses Feld bitte nicht ausfüllen« ist ein Buch von Andreas Reis.

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An welcher Stelle der Reihe steht »Dieses Feld bitte nicht ausfüllen«?

Es ist Band 3 der Reihe »Ordnungsamt des Multiversums«.

Gibt es eine Leseprobe zu »Dieses Feld bitte nicht ausfüllen«?

Ja. Das komplette erste Kapitel »Kapitel 1« steht hier kostenlos zum Lesen und als Hörprobe zum Anhören.

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