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Weihnachten in der Strandkorbwerkstatt

Cover: Weihnachten in der Strandkorbwerkstatt

Ein winterlicher Nordsee-Roman über eine Heimkehr, einen verborgenen Korb und das erste Weihnachten in einem ... Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm, Band 4)

Deutsch Einzeltitel von Andreas Reis.

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Worum es geht

Der erste Winter ist der stillste — bis ein Gast kommt, der eigentlich niemand mehr sein wollte.

Auf Fehnholm ruht der Strand unter Planen, die Fähre fährt nur noch einmal am Tag, und in Marit Feddersens Werkstatt brennt der Ofen gegen das lange Dunkel. Es ist ihr erstes Weihnachten auf der kleinen Nordseeinsel — ihr erstes Fest in einem Leben, von dem ein Teil von ihr noch immer glaubt, es sei nur geliehen.

Dann bringt die Dezemberfähre einen Fremden, der keiner ist: einen Mann, der vor vielen Jahren im Streit von der Insel ging und nun im Mantel eines Gastes zurückkehrt — und in einem Fenster, das lange dunkel war, brennt wieder ein Licht. Während Marit einen alten Korb instand setzt, in dessen Holz eine fremde, junge Handschrift liegt, und der Advent das Dorf zusammenrückt, lernt sie, dass manche Reparaturen nicht dem Holz gelten, sondern den Menschen.

Es wird ein Weihnachten der langen Nächte und der warmen Werkstätten, der zweiten Chancen und der ersten Male. Und während draußen der erste Schnee fällt, muss Marit sich der einen Frage stellen, die sie am besten reparieren kann und am wenigsten stellen mag: ob man ein Glück behalten darf, das man nicht geerbt hat.

Der vierte Band der Reihe »Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm« — winterwarm, herzlich und voller Nordseeluft. In sich abgeschlossen und doch mit einem leisen Faden ins nächste Frühjahr.

Auf einen Blick

Reihe
Die Strandkorbwerkstatt auf Fehnholm, Band 4
Umfang
273 Seiten (Taschenbuch)
Ausgaben
Kindle, Paperback
Sprache
Deutsch
Autor
Andreas Reis
Leseprobe
Kapitel 1 vollständig, kostenlos

Hörprobe: Kapitel 1 zum Anhören

Das komplette erste Kapitel, ungekürzt vorgelesen (11:34 Minuten). Die Aufnahme nutzt eine synthetische Stimme.

Leseprobe: Kapitel 1

Das erste Kapitel in voller Länge (1875 Wörter) - kostenlos lesen, ohne Anmeldung.

%% PART: Erster Teil — Advent # Ein Licht im Dezember

Im Dezember gehörte der Strand wieder den Möwen, und die Werkstatt gehörte Marit — und sie hatte den halben Advent gebraucht, um zu begreifen, dass ihr genau das nicht ganz geheuer war.

Draußen war es seit vier Uhr dunkel. Der Wind kam von Nordwest und suchte sich den alten Weg unter der Nordkante des Blechdachs, das seit dem Frühjahr eine neue Naht hatte und trotzdem sang, wenn es kalt genug wurde. Drinnen brannte der kleine gusseiserne Ofen, den Ole im Oktober eingesetzt hatte, weil eine Werkstatt, in der man den ganzen Winter arbeiten wollte, mehr brauchte als guten Willen und einen dicken Pullover. Über der langen Werkbank hing die Lampe mit dem grünen Emailleschirm, und an den Oberlichtern standen Eisblumen, morgens fingerdick, jetzt schon wieder halb zergangen von der Wärme.

Auf der Bank lag Korb dreiunddreißig auf dem Rücken. Im Sommer war ein Korb auf der Bank ein Notfall gewesen, ein wartender Gast, eine Frist im Nacken. Im Winter war er nur an der Reihe. Das war der ganze Unterschied, und es war ein gewaltiger: Zum ersten Mal, seit sie hier angekommen war, drängte nichts. Die einhundertzwölf Körbe schliefen eingewintert unter ihren Planen am Strand oder standen in langen Reihen in der Halle, die Nummerntafel im Schuppen hing voll, die ersten Vorbestellungen fürs nächste Jahr lagen in Svenjas ordentlichem Fach — und Marit hatte den ganzen Winter, um in Ruhe die zu reparieren, die es nötig hatten. Einen Handgriff nach dem anderen. So, wie es sein sollte.

Die Werkstatt roch im Winter anders als im Sommer. Im Sommer roch sie nach nassem Geflecht und nach Sonne auf Segeltuch; jetzt roch sie nach Leinöl, nach heißem Blech vom Ofen und nach dem feinen, trockenen Staub des Holzes, das in der Kälte anders arbeitete als in der Wärme. Almas Werkzeug hing an der Wand über der Bank, jedes an seinem Haken, jedes mit dem gemalten Umriss dahinter, und die Griffe waren blank von sechzig Jahren derselben Hände. Marit hatte längst aufgehört zu zählen, wie oft am Tag sie nach einem Stemmeisen griff und ihre Finger dabei genau dort auf dem Holz zu liegen kamen, wo Almas gelegen hatten. Man gewöhnte sich daran. Man gewöhnte sich an vieles hier, und das war das Schöne und das Beunruhigende zugleich.

Sie hätte zufrieden sein müssen. Meistens war sie es auch.

Nur manchmal, wenn sie so wie jetzt mit der flachen Hand über eine frisch geleimte Leiste strich, bevor sie die nächste ansetzte — die alte Angewohnheit, Holz zu befühlen, ehe sie eine Entscheidung traf —, ertappte sie sich bei einem Gedanken, der nicht zu einer Frau passte, der eine Werkstatt, ein Haus und ein Stück Insel gehörten. Der Gedanke ging so: dass sie das hier alles nur verwahrte. Dass sie es in Ordnung hielt für jemanden, der eines Tages kommen und es zurückverlangen würde. Wie man das Werkzeug eines anderen pflegt, ohne es je den eigenen Besitz zu nennen. Wie man ein Zimmer lüftet, das einem nicht gehört.

Der Gedanke war Unsinn, und sie wusste es genau. Das Grundbuch war eindeutig, das Testament war eindeutig, und selbst Svenja hatte längst aufgehört, daran zu rütteln. Aber im Dunkeln kam er zuverlässiger als die Flut, und im Dezember war viel Dunkel.

An der Wand hing die Winterliste, und ganz unten, für die nächste Woche, stand eine Nummer, vor der Marit ein wenig Respekt hatte: Korb achtundachtzig. Der stand seit Jahren im hintersten Winkel der Halle, unbenutzt, das Bugholz an der linken Seite mürbe bis zum Bruch — ein großer Eingriff, kein Feierabendstück. Sie war heute Mittag schon einmal hingegangen und hatte das alte Reparatur-Kärtchen am Rahmen gelesen, und dabei war sie ins Stocken geraten. Almas Handschrift, sechzig Jahre lang dieselbe, Datum und Kürzel, Datum und Kürzel, geduldig wie ein Gezeitenkalender. Und mittendrin, ein einziges Mal, eine andere Schrift. Größer, ungelenker, die Schrift von jemandem, der jung gewesen war und sich Mühe gegeben hatte. Ein Kürzel, das nicht A. B. hieß.

Sie hatte es gelesen und wieder losgelassen, weil auf der Bank ein Korb lag und weil man im Leben nicht jeder fremden Handschrift nachgehen konnte. Aber es war ihr nachgegangen, den ganzen Nachmittag lang, leise, wie ein Ton, den man nicht mehr aus dem Ohr bekommt.

* * *

Kurz nach fünf fiel die Hallentür ins Schloss, und mit einem Schwall eiskalter Luft kam Lene herein, den Anorak bis oben zu, die Mütze schief, die Sammelbox unter dem Arm — seit anderthalb Jahren dieselbe Geste, nur dass die Box inzwischen die dritte war und größer als die erste.

»Es ist stockdunkel«, verkündete Lene, als wäre das eine Neuigkeit und nicht seit Wochen so. »Frau Carstens sagt, am kürzesten Tag geht die Sonne schon um halb vier weg. Das ist in zwei Wochen. Da haben wir dann fast gar keinen Tag mehr.«

»Und danach kommt er wieder zurück«, sagte Marit. »Jeden Tag ein Stück. Man merkt es bloß erst im Februar.«

Lene dachte darüber nach, wie sie über alles nachdachte: als prüfte sie, ob es hielt. Dann stellte sie die Box auf die freie Ecke der Bank, klappte sie auf und legte ihren Fund des Tages daneben — einen flachen, vom Wasser rund geschliffenen Ziegelbrocken, an einer Kante noch das alte Rot. »Vom Winterstrand. Da liegt jetzt ganz anderes Zeug als im Sommer. Der Sturm bringt Sachen von weit her, sagt Thees.«

Die Inselschule hatte elf Kinder und einen einzigen Raum und eine Lehrerin für drei Jahrgänge, und im ersten Herbst hatte Marit nachts wachgelegen und sich gefragt, ob sie ihrer Tochter etwas genommen hatte — die große Schule, die vielen Freundinnen, die Wege, auf denen Autos fuhren statt Schafe. Jetzt kam Lene mit roten Wangen und einem Ziegelstein aus dem Dunkeln und erzählte von der Wintersonne, als gehörte ihr das alles ganz selbstverständlich, und Marit ließ die alte Frage endlich ruhen.

Oben in der Wohnung über dem Schuppen machten sie Licht, kochten Kakao und stellten eine Kerze ins Fenster, weil der erste Advent vorbei und der zweite fast da war — und weil Gesa gesagt hatte, ein dunkles Fenster im Dezember sei auf einer Insel schon fast eine Unhöflichkeit. Lene riss das nächste Feld von dem Adventskalender ab, den sie selbst gebastelt hatte.

»Kommt Ole eigentlich an Weihnachten?«, fragte sie beiläufig, viel zu beiläufig, und sah dabei sehr genau in den Kakao.

Marit hielt einen winzigen Moment inne. Seit dem Herbst gab es zwischen ihr und Ole etwas, das keinen Namen hatte und auch keinen brauchte, etwas, das aus vielen kleinen Handgriffen bestand und aus einem einzigen Abend, an dem beinahe mehr gewesen wäre — und das sie behandelte wie ein Werkstück, das noch nicht trocken war: vorsichtig, und nicht zu oft in die Hand nehmen.

»Mal sehen«, sagte sie. »Weihnachten ist noch weit.«

»Zweiundzwanzig Tage«, sagte Lene, die immer mitzählte.

Unten im Dorf hatte der Advent längst angefangen. Sönke buk seit einer Woche Stollen, über die er mit niemandem sprach und die doch die halbe Insel schon vorbestellt hatte; Gesa hatte über die Dorfstraße eine Lichterkette gespannt, die bei jeder Bö tanzte; und an der Fähranlegestelle stand ein Tannenbaum, den keiner geschmückt hatte und den trotzdem jeder schön fand. Es war eine kleine, ernste, warme Vorweihnacht, wie Marit sie aus Hamburg nicht kannte, und sie stand noch ein bisschen daneben — nicht ausgeschlossen, nur nicht ganz sicher, ob sie mitgemeint war.

Sie sah aus dem Fenster in die Dunkelheit hinaus, in der irgendwo unter Planen einhundertzwölf Körbe schliefen. Es würde ihr erstes Weihnachten hier sein. Ihr erstes Weihnachten in diesem geerbten Leben — und sie wusste nicht recht, wie man ein Fest feierte in einem Haus, von dem ein Teil von ihr immer noch glaubte, es sei nur geliehen.

* * *

Am nächsten Mittag ging Marit zum Hafen hinunter, weil die Fähre eine Rolle Markisenstoff und zwei Kanister Leinöl bringen sollte und weil Thees es gern hatte, wenn am Kai jemand stand, der nicht bloß Fracht war.

Im Winter fuhr die Fähre nur einmal am Tag, mittags, und nur, wenn das Wetter mitspielte. An manchen Tagen fuhr sie gar nicht, und dann war Fehnholm wieder das, was es immer gewesen war, bevor Fahrpläne es an das Festland gebunden hatten: eine Insel, ganz für sich. Heute spielte das Wetter gerade eben mit. Das Wasser lief grau und kurz, der Himmel hing tief wie eine nasse Plane, und die alte Fähre kam quer gegen den Wind herein wie ein müder Mann, der genau weiß, wo sein Bett steht.

Thees warf den Tampen, jemand auf der Mole fing ihn, ohne hinzusehen, und dann rollte der Elektrokarren der Post die Rampe herab — und hinter ihm kam ein einzelner Passagier.

Ein Mann, Mitte fünfzig vielleicht, in einem guten dunklen Mantel, der nicht von der Insel war, eine einzige Tasche über der Schulter. Unten an der Rampe blieb er einen Augenblick stehen. Nicht wie einer, der sich orientiert — eher wie einer, der prüft, ob sich etwas verändert hat, seit er das letzte Mal hier gestanden hatte. Dann ging er los, den Weg ins Dorf hinauf, den Kopf gegen den Wind gesenkt, ohne einen einzigen Menschen nach dem Weg zu fragen, und verschwand zwischen den ersten Häusern.

Marit sah ihm nach. »Im Dezember kommt Besuch?«

Thees stopfte seine kalte Pfeife um, ohne sie anzuzünden, und sah nicht dem Mann hinterher, sondern aufs Wasser, wie er es immer tat, wenn er etwas wusste und es nicht sagen wollte. »Manche kommen im Sommer«, sagte er. »Und manche warten, bis keiner mehr hinguckt.«

»Kennst du ihn?«

»Ich fahr die Fähre, Deern. Ich kenn jeden, der hier rauf- und runtergeht.« Er klemmte die Pfeife zwischen die Zähne. »Der da hat nicht nach dem Weg gefragt. Merk dir das.«

Mehr sagte er nicht, und wie er es sagte, klang es, als hinge daran eine ganze Geschichte, die man nur nicht an einem zugigen Kai erzählte. Er half ihr, die Stoffrolle und die Kanister auf die Sackkarre zu wuchten, brummte etwas über den Seewetterbericht für die Nacht, und dann verschwand er in seinem Ruderhaus, um die Fähre für die einzige Rückfahrt des Tages klarzumachen.

Auf dem Weg zurück zur Werkstatt kam Marit am oberen Ende der Dorfstraße vorbei, wo die Häuser dünner standen und die Gärten größer wurden. Eines davon lag seit Langem still — ein niedriges Backsteinhaus mit weißen Fensterläden, in dem, soweit Marit wusste, eine alte Frau ganz allein wohnte, die man fast nie zu Gesicht bekam. Die halbe Insel hatte inzwischen eine Kerze im Fenster stehen. Dieses eine Haus war in all den Wochen immer dunkel gewesen.

Heute brannte hinter der Scheibe ein Licht.

Es war nur eine Lampe in einer Stube, nichts weiter. Aber Marit blieb einen Atemzug lang stehen, die Sackkarre schwer in den Händen, und hatte dieses unbestimmte Gefühl, das man auf einer Insel manchmal bekommt: dass irgendwo etwas angefangen hat, lange bevor es irgendjemand ausspricht. Dass der Winter, den sie für die stille Jahreszeit gehalten hatte, gerade eben beschlossen hatte, etwas vorzuhaben.

Sie schob die Karre weiter, dem Deich entgegen, wo die Werkstatt auf sie wartete, warm und erleuchtet — und auf der Bank Korb dreiunddreißig, und an der Wand eine Liste, und ganz unten darauf eine Nummer und eine fremde, junge Handschrift, die ihr einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte.

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Häufige Fragen

Worum geht es in »Weihnachten in der Strandkorbwerkstatt«?

Der erste Winter ist der stillste — bis ein Gast kommt, der eigentlich niemand mehr sein wollte. Auf Fehnholm ruht der Strand unter Planen, die Fähre fährt nur noch einmal am Tag, und in Marit Feddersens Werkstatt brennt der Ofen gegen das lange Dunkel. Es ist ihr erstes Weihnachten auf der kleinen Nordseeinsel — ihr e

Von wem ist »Weihnachten in der Strandkorbwerkstatt«?

»Weihnachten in der Strandkorbwerkstatt« ist ein Buch von Andreas Reis.

Wo kann ich »Weihnachten in der Strandkorbwerkstatt« kaufen?

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Gibt es eine Leseprobe zu »Weihnachten in der Strandkorbwerkstatt«?

Ja. Das komplette erste Kapitel »Kapitel 1« steht hier kostenlos zum Lesen und als Hörprobe zum Anhören.

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